Das ist klar: Die boxpressed Rocky Patel Gold Label Toro will gefallen. Das dunkelbraune Ecuador-H-2000-Deckblatt zeigt einen feinen, natürlichen Glanz, die goldfarbene Anilla setzt einen klaren Akzent. Das wirkt selbstbewusst, aber nicht überladen. Bling Bling ist hier kein Selbstzweck, sondern Teil der Inszenierung. Schon bevor die Zigarre angezündet ist, macht sie klar, dass sie als Premiumprodukt wahrgenommen werden möchte. Und das mit durchaus nachvollziehbarem Anspruch.
Hergestellt wird die Gold Label in der renommierten Tavicusa-Manufaktur in Estelí, Nicaragua. Allein das setzt die Messlatte hoch. Rocky Patel lässt hier nicht einfach irgendetwas rollen, sondern vertraut seine Goldstücke einem Haus an, das für saubere Verarbeitung und präzise Mischungen bekannt ist. Das Toro-Format, 165 Millimeter Länge bei einem 54er Ringmaß, verspricht rund 90 Minuten Rauchdauer. Zeit genug also, um hinter die Fassade aus Gold und Glanz zu schauen.
Der erste Eindruck in der Hand bestätigt, dass es sich nicht nur um eine Schönwetter-Zigarre handelt. Die Rolle ist gleichmäßig gerollt. Beim Anzünden zeigt sich sofort eine gute Feuerannahme. Kein Zicken, kein Herumfackeln. Die Zigarre nimmt die Flamme dankbar an und startet willig in den Rauchverlauf. Der Zugwiderstand ist genau dort, wo man ihn haben möchte: spürbar, aber niemals anstrengend. Ein Zug, der Spaß macht. Und das ist bekanntlich die halbe Miete.
Holz und Malz – doch das ist noch nicht alles!
Im ersten Drittel präsentiert sich die Gold Label Toro erstaunlich bodenständig. Trotz aller optischen Opulenz beginnt sie nicht mit Zuckerwatte und Vanillewolken, sondern mit einer klaren, sauberen Holzigkeit. Dazu gesellt sich eine malzartige Süße, die an helles Karamell erinnert, ohne klebrig zu wirken. Espresso schiebt sich früh in den Vordergrund, begleitet von einer feinen Pfeffrigkeit, die eher kitzelt als dominiert. Alles wirkt sehr aufgeräumt, sehr ausbalanciert. Es wird deutlich: Die Zigarre will gefallen, aber sie will sich nicht anbiedern.
Die offiziell beschriebene Honigsüße ist tatsächlich präsent, allerdings eher als verbindendes Element im Hintergrund. Sie legt sich wie ein dünner Firnis über die Aromen, rundet ab, ohne jemals plakativ zu werden. Das Ecuador-H-2000-Deckblatt spielt dabei eine tragende Rolle. Es liefert nicht nur den seidigen Glanz, sondern auch eine dezente Würze, die hervorragend mit der nicaraguanischen Einlage harmoniert.
Apropos Einlage: Die lang gereiften Tabake aus Jalapa und Estelí bilden das aromatisch, vollmundige Rückgrat der Gold Label. Umhüllt wird dieses Herzstück von gleich zwei Connecticut-Umblättern – Broadleaf und Shade –, die dem Blend ausgezeichnet stehen. Das Ergebnis ist ein mediumkräftiges bis kräftiges Profil, das komplex wirkt, aber nie fordernd wird.
Im zweiten Drittel öffnet sich das Aromenspektrum weiter. Kaffee bleibt das Leitmotiv, wird nun aber nussiger, runder. Dazu kommt Leder, zunächst weich und elegant, später etwas markanter. Bis zum Ende dieses Abschnitts bleibt eine angenehme Cremigkeit erhalten, die den Rauch fast schon samtig erscheinen lässt. Die Asche ist mittelfest, der Abbrand überwiegend sauber, wenn auch nicht perfekt. Ab und zu ist eine kleine Korrektur nötig, aber nichts, was den Genuss ernsthaft trübt. Das gehört bei handgerollten Premiumzigarren eben dazu.
Eine Zigarre, die liefert!
Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Bewertung aus den USA, wie bei Starke Zigarren“ nachzulesen ist. Dort war die Gold Label Toro während eines Großteils des Rauchverlaufs auf bestem Wege zu einer „Cigar Coop Standard of Excellence“-Auszeichnung. Doch dann, so heißt es, verlor sie im letzten Drittel deutlich an Glanz – „something happened on the way to heaven“. Das Ergebnis: 88 bis 89 Punkte. Bei meiner Verkostung ließ sich ein solcher Einbruch allerdings nicht feststellen. Im Gegenteil: Die Zigarre blieb durchgehend auf einem guten, stabilen Niveau.
Im letzten Drittel verändert sich der Charakter spürbar, aber nicht negativ. Die Cremigkeit zieht sich langsam zurück und macht trockeneren Nuancen Platz. Der Espresso wird intensiver, dunkler. Trockener Kakao tritt hinzu, begleitet von einer wieder etwas präsenteren Pfeffrigkeit. Das Leder bekommt mehr Kanten, bleibt aber stets eingebettet in die Gesamtkomposition. Hier zeigt die Gold Label, dass sie mehr kann als nur schmeicheln.
Sie bleibt auch bis zum Ende hin zuverlässig. Kein bitteres Überhitzen, kein unangenehmes Kratzen. Die mittlere Stärke bleibt konstant und sorgt dafür, dass man diese Toro auch entspannt am Abend genießen kann, ohne danach das Gefühl zu haben, gerade einen Boxkampf verloren zu haben. Genau darin liegt eine ihrer großen Stärken: Sie ist luxuriös, aber zugänglich. Komplex, aber geschmeidig.
Was bleibt? Ein guter Eindruck!
Unterm Strich ist diese Zigarre eine Einladung, sich Zeit zu nehmen. Für rund eineinhalb Stunden Genuss, für ein ausgewogenes Zusammenspiel aus Holz, Erde, Creme, Honig und Süße, für Kaffee, Nuss, Leder, Kakao und eine Prise Pfeffer. Bling Bling ist hier nicht nur gerechtfertigt, sondern konsequent umgesetzt. Die Rocky Patel Gold Label Toro verbindet luxuriöse Optik mit handwerklicher Qualität und einer Aromatiefe, die auch erfahrene Aficionados nicht langweilt.
EtwasGenuss wünscht euch
Toto



