Über die Familie Oliva noch viele Worte zu verlieren, ist heutzutage ungefähr so nötig wie jemandem zu erklären, dass Wasser nass ist. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Familie von ihren Wurzeln im kubanischen Tabakanbau zu einem der großen Namen der Branche entwickelt. Nach der Revolution zog es sie zunächst in die USA, bevor sie in Nicaragua eine beeindruckende Produktionsstruktur aufbauten. Heute kümmern sie sich nicht nur ums Rollen der Zigarren, sondern auch um Anbau, Fermentation und Verarbeitung der Tabake.
Neben bekannten Serien wie der kräftigen Oliva Serie V gibt es auch Linien für den täglichen Genuss. Zigarren also für Menschen, die zwar gerne rauchen, aber nicht jedes Mal den Humidor plündern wollen wie ein Hedgefondsmanager seine Bonuszahlung. In diese Kategorie fällt auch die Flor de Oliva Maduro Toro. Sie gehört zu den günstigeren Serien des Hauses, ist aber trotzdem ein Longfiller aus ausschließlich nicaraguanischen Tabaken. Die Selektion der Blätter erfolgt hier nicht ganz so streng wie bei den Premiumlinien, was letztlich den moderaten Preis ermöglicht. Dennoch steckt auch hinter dieser Zigarre das handwerkliche Know-how der Familie. Gerade bei den Maduro-Deckblättern wird traditionell viel Wert auf eine längere und sorgfältige Fermentation gelegt. Ein Prozess, der Zeit braucht und im Idealfall jene dunklen, süßlich-schokoladigen Aromen hervorbringt, wegen derer viele Aficionados zu Maduro-Zigarren greifen. Soweit zumindest die Theorie.
Von der Theorie in die Praxis
In der Praxis präsentierte sich die Toro zunächst durchaus vielversprechend. Die Zigarre war überraschend fest gerollt und machte optisch einen ordentlichen, rustikalen Eindruck. Anschnitt und Feuerannahme verliefen problemlos, der Zugwiderstand lag anfangs bei etwa 60 Prozent und pendelte sich ab der Mitte des zweiten Drittels bei ungefähr 55 Prozent ein, also absolut im grünen Bereich. Beim Abbrand zeigte sich allerdings ein leichter Schiefbrand, der gelegentlich korrigiert werden musste. Die Asche war dafür schön weiß und mittelstabil, was zumindest handwerklich einen ordentlichen Eindruck hinterließ.
Aromatisch begann die Reise dann allerdings etwas… überraschend. Im ersten Drittel dominierte vor allem Holz. Und zwar nicht das elegante Zedernholz, das man gern mit Zigarren verbindet, sondern eher etwas, das an kräftig geröstetes Treibholz erinnerte. Dazu gesellten sich Toastaromen und eine leicht „muddige“ Note. Die klassischen Maduro-Assoziationen wie Kakao oder Schokolade blieben zunächst komplett aus, als hätten sie den Termin im Humidor schlicht verschlafen.
Verdammt, wo bleibt die Maduro-Note?
Im zweiten Drittel hielt sich dieses Profil zunächst hartnäckig. Holz, Röstaromen und eine gewisse Erdigkeit bestimmten weiterhin das Geschehen. Erst im weiteren Verlauf schlichen sich vorsichtig etwas süßere Nuancen ein. Ein Hauch von Melasse vielleicht, allerdings eher im Hintergrund und deutlich zurückhaltender, als man es von einem Maduro erwarten würde.
Erst im letzten Drittel erinnerte sich die Zigarre dann daran, welches Deckblatt sie trägt. Die Süße nahm leicht zu, und ganz dezente Schokonoten tauchten auf. Allerdings eher in der Kategorie „80-prozentige Zartbitterschokolade“: dunkel, leicht bitter und nicht unbedingt desserttauglich. Immerhin brachte das zum Ende hin ein wenig Abwechslung in einen ansonsten recht linearen Rauchverlauf.
Geld gespart, solides Rauchvergnügen
Unterm Strich ist die Flor de Oliva Maduro Toro genau das, was ihr Preis vermuten lässt: eine solide, unkomplizierte Zigarre für den Alltag. Verarbeitung ordentlich, Rauchverlauf akzeptabel, und für rund 6,40 Euro kann man sich darüber auch nicht ernsthaft beschweren. Geschmacklich bleibt sie allerdings über weite Strecken ziemlich eindimensional und lässt die typischen Maduro-Stärken lange vermissen. Oder anders gesagt: Für den Preis absolut okay – aber eben auch kein Highlight. Eine Zigarre, die man problemlos rauchen kann, ohne sich zu ärgern. Aber auch eine, bei der man danach nicht spontan beschließt, gleich eine ganze Kiste zu bestellen.
Vielen Dank an VCF für das Testexemplar.
EtwasGenuss wünscht euch
Toto



