Nach dem Favoriten kommt die Herausforderung – Die Stauffenberg Edition 3 Dark Toro im Vergleich

Nach dem Favoriten kommt die Herausforderung – Die Stauffenberg Edition 3 Dark Toro im Vergleich

Eigentlich wollte ich mit meinem Freund Martin lediglich sein neues Herrenzimmer einweihen. Ein Abend unter Aficionados und ein hervorragender Stick im Gepäck. Der Plan stand. Doch Martin wäre nicht Martin, wenn er nicht noch eine Überraschung parat gehabt hätte. Sein neu eingerichtetes Refugium entpuppte sich als geschmackvoller Tempel des Genusses, in dem das famose Whisky-Regal mit der dazugehörigen Lichtstimmung im Mittelpunkt stand. Eine Atmosphäre,  die förmlich nach einem besonderen Smoke verlangte.
Und genau dafür hatte er gesorgt: Statt meiner mitgebrachten Zigarre reichte er mir die Stauffenberg Cigars Edition 3 Dark Toro. Inhaber Maik Neubauer hatte dem EtwasGenuss-Team freundlicherweise Verkostungszigarren zukommen lassen. Und dieser Anlass schien wie geschaffen, sie gebührend zu würdigen. An dieser Stelle: Danke dafür, Maik!

Eine aufregende Zigarre zu einem tollen Anlass

Wenn eine neue Edition aus dem Hause Stauffenberg Cigars erscheint, darf man davon ausgehen, dass sie nicht zufällig entstanden ist. Maik  Neubauer geht seine Projekte mit strategischer Sorgfalt an. Die Zusammenarbeit der kleinen, familiengeführten Manufaktur La Pequeña Vega in Danli/Honduras ist dabei kein Marketingornament, sondern gelebte Philosophie. Auch die Edition 3 Dark Toro entstand dort. Die dritte Auflage ist auf 10.000 Zigarren limitiert und tritt mit dem selbstbewussten Anspruch an, ein echtes Premium-Statement zu sein, optisch wie aromatisch.

Optisch gelingt das mühelos. Die Toro im Format 6 x 54 liegt satt und ausgewogen in der Hand. Das erstmals verwendete Corojo-Deckblatt zeigt sich in einem mittelbraunen, leicht öligen Braunton mit feiner Aderung und sauberen Blattnähten. Es wirkt lebendig, ohne rustikal zu sein. Der klassische Hauptzigarrenring wird durch eine schwarz-goldene Zusatzbanderole am Fuß ergänzt. Ein Detail, das die Premiumpositionierung unterstreicht, ohne ins Protzige abzurutschen. Gold kann schnell nach Hochglanzkatalog aussehen; hier wirkt es wie ein bewusst gesetzter Akzent.

Der Blend unterscheidet sich deutlich von den Vorgängern. Während Edition 1 (Pyramids) und Edition 2 (Robusto) denselben Blend teilten und sich vor allem über das Format differenzierten, schlägt die Edition 3 einen neuen Weg ein: Corojo als Deckblatt, dazu Honduras Criollo 98 und Connecticut-Tabake für Binder und Filler. Diese Kombination verspricht elegante Aromen mit einer Balance aus Würze und Süße. Ein Profil, das man in dieser Form von Stauffenberg bislang nicht kannte.

Stauffenberg verspricht Qualität … und hält sie

Der Kaltzug bestätigt zunächst die Handschrift des Corojo-Deckblatts. Dezente Würze steigt auf, begleitet von Zedernholz und einer erdigen Grundierung. Das wirkt klar strukturiert, ohne Schärfe, ohne Stall. Der Zugwiderstand ist bereits im ungeflammten Zustand ideal eingestellt: präsent, aber nicht unanständig.

Entzündet offenbart die „Dark“ Toro ihre Qualitäten mit bemerkenswerter Gelassenheit. Die Brandannahme gelingt sehr gut, die Flamme greift gleichmäßig, ohne dass man das Gefühl hat, die Zigarre beschwören zu müssen. Der Abbrand bleibt im gesamten Verlauf weitgehend gerade, mit nur minimalem Korrekturbedarf. Und selbst dieser bewegt sich im Bereich des kosmetischen Feintunings. Die Asche zeigt sich hellgrau bis weiß, mittelfest und hält solide. Konstruktionstechnisch ist das auf einem Niveau, das man getrost als „unantastbar“ bezeichnen darf. Die ersten Züge offenbaren bereits ein beachtliches Rauchvolumen und deuten eine spannende Aromenreise an.

Im ersten Drittel dominieren Zedernholznoten, die nahtlos an den Kaltzug anknüpfen. Hinzu gesellt sich eine dezente Milchschokolade, begleitet von einer feinen, Milchschaum-Süße. Diese Süße wirkt nicht klebrig, sondern luftig. Wie der erste Schluck Cappuccino, bei dem noch mehr Schaum als Kaffee auf den Lippen liegt. Pfeffer ist allenfalls marginal vorhanden, eher als Erinnerung denn als Akzent. Die Textur ist satt, das Rauchvolumen – dem Toro-Format geschuldet – üppig, ohne schwer zu wirken.

Im zweiten Drittel verschiebt sich die Balance. Das Zedernholz tritt etwas zurück, während leichte, hauchzarte Röstnoten aufkommen. Die zuvor präsente Milchschokolade weicht zunehmend einer trockeneren Kakao-Note. Diese entwickelt eine angenehme Tiefe, begleitet von subtilen Erdanklängen. Die Milchschaum-Süße bleibt als verbindendes Element erhalten und verhindert, dass der Übergang ins Trockene kippt. Hier zeigt sich die Stärke des Blends: Er arbeitet mit Nuancen, nicht mit Karacho. Nichts wirkt überzeichnet oder überfordernd.

Das dritte Drittel bringt schließlich eine spürbare Intensitätssteigerung. Der Kakao tritt etwas zurück, Espressonoten gewinnen an Kontur, begleitet von dunkler, leicht zartbitterer Schokolade. Die Würze, die im Kaltzug noch deutlich wahrnehmbar war, meldet sich erneut. Nun ist sie jedoch harmonisch eingebettet. Keine Schärfe, keine unangenehme Bitterkeit, kein muffiger Ausklang. Die Zigarre bleibt bis zum Ende rauchbar und angenehm, ohne in Überhitzung oder Unausgewogenheit abzudriften. Ein Verhalten, das man bei großformatigen Zigarren nicht als selbstverständlich voraussetzen sollte.

Genuss ist vergänglich, doch was bleibt?

Über rund 90 Minuten bietet die Edition 3 ein konstantes, qualitativ hochwertiges Rauchvergnügen. Sie ist vollmundig, souverän und strukturell tadellos. Maik Neubauer beweist erneut sein Gespür für hochwertige Tabake und präzise Blends.

Und doch drängt sich am Ende der Vergleich mit den Vorgängern auf. Die Edition 1 im Pyramids-Format hatte mich seinerzeit mit ihrem Aromenprofil regelrecht geflasht. Ein Blend, bestehend aus Criollo 98-Tabaken, der in dieser Form selten zu finden war und mit einem bemerkenswerten Eigenständigkeit daherkam. Die Edition 2 im Robusto-Format erwies sich für mich als noch stimmiger. Trotz identischem Blends wirkte sie konzentrierter, die Aromen schienen dichter, unmittelbarer, intensiver wahrnehmbar. Sie entwickelte eine Art Alleinstellungsmerkmal, das über reine Qualität hinausging.

Die Erwartungen an die Edition 3 waren entsprechend hoch. Und um es klar zu sagen: Sie ist eine sehr, sehr gute Zigarre. Konstruktion, Rauchvolumen, Balance – alles auf hohem Niveau. Der neue Blend aus Corojo-Deckblatt sowie Honduras Criollo 98 und Connecticut für Binder und Filler liefert dunkle Schokolade, Espresso und dezente Würze in harmonischem Zusammenspiel. Doch jenes unverwechselbare Moment, das die Edition 2 für mich so besonders machte, erreicht die Dark Toro in der Aromatik nicht ganz. Sie ist eleganter, vielleicht auch zugänglicher. Aber für mich persönlich etwas weniger aufregend.

Hinzu kommt der Preis von 18,90 Euro. Bereits die Edition 1 (16,50 Euro) und Edition 2 (14,90 Euro) bewegten sich preislich im Premiumsegment. Mit der Edition 3 ist man dort nun fest verankert. Angesichts der Qualität ist das nicht unberechtigt, aber ambitioniert. Wer zugreift, investiert bewusst in Handwerk, Limitierung und Markenphilosophie.

Last, but not least …

Unterm Strich bleibt die Stauffenberg Cigars Edition 3 Dark Toro eine hervorragende Premiumzigarre, die rund eineinhalb Stunden intensiven, ausgewogenen Rauchgenuss bietet. Sie überzeugt durch makellose Konstruktion, ein elegantes Aromenspiel und eine Souveränität, die sie zu einem verlässlichen Begleiter besonderer Momente macht. Mein persönlicher Favorit bleibt zwar die Edition 2, doch die Dark Toro zeigt eindrucksvoll, dass Stauffenberg Cigars nicht stehenbleibt, sondern bereit ist, neue geschmackliche Wege zu gehen. Und das allein verdient Respekt … und ein gut gefülltes Glas neben dem Aschenbecher.

EtwasGenuss wünscht euch euer
Toto


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