BLTC Bishops Blend Novemdiales – Zwischen Weihrauch und Espresso

BLTC Bishops Blend Novemdiales – Zwischen Weihrauch und Espresso

Die Black Label Trading Company Bishops Blend Novemdiales Robusto entfaltet sich wie ein stilles Requiem im Rauch. Schon mit dem ersten Anzünden liegt eine eigentümliche Schwere in der Luft, eine Mischung aus Andacht, Dunkelheit und Erwartung. Der Name „Novemdiales“, korrekt heißt es eigentlich Novendiales, ist dabei kein bloßes Ornament, sondern programmatisch: Neun Tage der Trauer, der Reflexion, der liturgischen Ordnung nach dem Tod eines Papstes. Ein Übergangszustand zwischen Ende und Neubeginn, zwischen Rauch und Geist. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich diese Zigarre. Und selten hat ein Blend seine semantische Aufladung so konsequent eingelöst.

Ein Anblick mit Ehrfurcht

Die äußere Erscheinung wirkt bereits sakral: Das Pennsylvania Broadleaf-Deckblatt liegt dunkel und fast ölig vor einem, wie das abgegriffene Leder eines alten Messbuchs. Es strahlt keinen makellosen Hochglanz aus, sondern eher eine ehrwürdige Patina. Die Verarbeitung ist, um im Bild zu bleiben, nahezu sakrosankt: Zugwiderstand exakt austariert, der Abbrand gestaltet sich ruhig und kontrolliert, nur ein minimaler Schiefbrand, der sich fast wie eine gewollte Unregelmäßigkeit anfühlt.

Mit dem ersten Zug öffnet sich gewissermaßen das Kirchportal. Holz, Leder und Erde treten hervor. Archetypische, fast archaische Noten. Es ist das Duftbild einer alten Sakristei: schwere Holzbänke, jahrzehntelang genutzte Kniepolster, kühle Steinböden. Dazu gesellt sich eine subtile Süße, kaum greifbar, eher ein flüchtiger Eindruck als ein klarer Geschmack. Röstnoten und schwarzer Pfeffer setzen Akzente, wie das Knistern von Kerzenflammen im Halbdunkel. Diese Komposition ist typisch für die Handschrift von Black Label Trading Company, die ohnehin für ihre eigenwillige, düstere aber immer wiedererkennbare Aromatik bekannt ist.

Ein Rauchverlauf wie eine Messe

Im zweiten Drittel beginnt die liturgische Vertiefung. Die Pfeffrigkeit tritt zurück, die Zigarre wird runder, zugänglicher, ohne an Tiefe zu verlieren. Kaffee und Nuss treten hinzu, begleitet von einer feinen, dunklen Schokoladennote. Die Cremigkeit nimmt spürbar zu, wie ein Choral, der sich langsam im Raum entfaltet. Und dann ist da dieser kurze spirituelle Moment: ein Hauch von Lebkuchen. Würzig, leicht süß, mit einer fast weihnachtlichen Konnotation, die jedoch nicht verspielt wirkt, sondern vielmehr besinnlich. Es ist, als würde sich die Trauer der Novemdiales langsam in eine Form von stiller Zuversicht verwandeln.

Technisch bleibt die Zigarre dabei jederzeit auf hohem Niveau. Die Rauchentwicklung ist dicht und cremig, fast wie ein Weihrauch-Bad – nur nicht so olfaktorisch überfordernd. Der Blend selbst, eine Kombination aus Pennsylvania Broadleaf, einem ecuadorianischen H-Umblatt und Einlagetabaken aus Nicaragua und USA, zeigt hier seine ganze Komplexität.

Im letzten Drittel schließlich zieht die Intensität wieder an. Die Zigarre wird kraftvoller, die Röstaromen treten deutlicher hervor. Der Kaffee entwickelt sich in Richtung eines dunklen Espressos, begleitet von einer tiefen, fast bittersüßen Cremigkeit. Die Aromen verdichten sich, werden direkter, fast kompromisslos. Und doch bleibt die Balance gewahrt. Nichts kippt ins Unangenehme, nichts wirkt überladen.

Komplex statt linear

Gerade diese Dramaturgie macht die Novemdiales so bemerkenswert. Sie ist kein linearer Smoke, sondern ein bewusst gestalteter Spannungsbogen. Ein Anfang in erdiger Strenge, eine Mitte voller harmonischer Tiefe und ein Finale, das noch einmal die ganze Kraft des Blends aufruft. In gewisser Weise spiegelt sie damit tatsächlich die Struktur der Novendiales wider: vom ersten Tag der Trauer bis zum abschließenden Ritual, das den Übergang markiert.

Preislich bewegt sich die Zigarre mit etwa 13,50 Euro in einem Bereich, der angesichts dieser Komplexität und handwerklichen Qualität fast schon als gnädig bezeichnet werden kann. Gerade im Kontext limitierter Produktionen, rund 900 Kisten pro Vitola, ist das bemerkenswert.

Am Ende bleibt der Eindruck eines durch und durch stimmigen Gesamtkunstwerks. Die Bishops Blend Novemdiales Robusto verlangt Aufmerksamkeit, Zeit und eine gewisse Bereitschaft zur inneren Einkehr, ehe es zur großen Erlösung kommt. Wer sich darauf einlässt, wird mit einem außergewöhnlich vielschichtigen Erlebnis belohnt.

EtwasGenuss wünscht euch
Toto


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