Cavalier Genève Black Series II: Der Beweis, dass Gold nicht nur glänzt, sondern schmeckt

Cavalier Genève Black Series II: Der Beweis, dass Gold nicht nur glänzt, sondern schmeckt

Das dunkle, ölige Deckblatt der Cavalier Genève Black Series II Robusto aus San Andrés wirkt fast schon geschniegelt. Darauf die kleine Raute aus Blattgold. Ein Detail, das man erst belächelt und dann doch immer wieder betrachtet. Es hat Stil. Und es bleibt im Kopf. Hinter der Marke steht Sébastien Decoppet, ein Schweizer mit klarer Vision und bemerkenswerter Konsequenz. Seine Zigarren entstehen in der Fábrica Centroamericana de Tabaco in Danlí. Klein, fokussiert, qualitätsgetrieben. Man merkt der Zigarre an, dass hier nicht auf Masse gesetzt wird.

Die Markante mit der goldenen Raute

In der Hand liegt die Robusto sauber gerollt und leicht federnd. Der Kaltgeruch bringt Erde, Holz, eine Prise Kakao und eine Spur Süße. Der Zug im Kaltzustand ist frei genug, um Vorfreude zu erzeugen, aber nicht so offen, dass man misstrauisch wird. Die ersten Züge starten mit einem klaren Statement. Pfeffer ist sofort da. Nicht aggressiv, aber präsent. Dazu gesellen sich erdige Noten und dunkles Holz. Das Rauchvolumen passt. Dicht, cremig genug, ohne schwer zu wirken. Der Zugwiderstand ist in Ordnung. Vielleicht einen Tick zu fest für Perfektionisten, aber absolut im grünen Bereich.

Im ersten Drittel bleibt das Profil stabil. Pfeffer und Erde dominieren. Holz läuft konstant mit. Eine feine Süße blitzt immer wieder auf und hält das Ganze in Balance. Genau hier zeigt sich die Handschrift der Mischung. Nichts wirkt zufällig, alles greift ineinander. Das zweite Drittel bringt Bewegung. Der Pfeffer zieht sich spürbar zurück. Auch die Holznoten werden leiser. Dafür öffnet sich die Zigarre in Richtung Kaffee. Dunkel geröstet, leicht bitter, aber angenehm eingebunden. Die Süße bleibt erhalten und sorgt dafür, dass die Bitterkeit nicht kippt. Der Rauch wird weicher. Runder. Fast schon elegant.

Eine Melange aus Kaffee, Schokolade und Erdigkeit

Technisch zeigt die Robusto ab hier kleine Schwächen. Sie neigt gelegentlich zum Schiefbrand. Nichts Dramatisches, aber man greift ein, korrigiert, macht weiter. Der Abbrand bleibt insgesamt stabil genug, um den Genuss nicht zu stören. Die Asche ist mittel- bis hellgrau und hält ordentlich. Im letzten Drittel dreht die Zigarre noch einmal auf. Die Creme tritt deutlich in den Vordergrund. Dazu kommen Schokolade und eine satte Kaffeenote, ein Hauch Melasse schwingt mit. Jetzt wird es vollmundig. Warm. Fast schon dessertartig, ohne ins Klebrig-Süßliche abzurutschen. Der Körper bleibt mittelkräftig, vielleicht mit Tendenz nach oben, aber nie überfordernd.

Der Rauch ist jetzt dichter, die Textur spürbar weicher. Die einzelnen Aromen verschmelzen stärker miteinander. Weniger Kontrast, mehr Harmonie. Wer bis hierhin dranbleibt, wird belohnt. Das Finale ist rund und stimmig.

Unterm Strich liefert die Black Series II Robusto genau das, was man sich von ihr verspricht. Eine mittelkräftige Zigarre mit klarer Entwicklung und solider aromatischer Tiefe. Kleine technische Schwächen gehören dazu, fallen aber kaum ins Gewicht. Für 10,40 Euro ist das Paket mehr als fair. Die Verarbeitung ist gut, das Aromenspiel überzeugend, die Optik eigenständig. Keine Alltagszigarre für nebenbei, aber auch kein Diva-Format. Eher eine zuverlässige Begleiterin für den Abend, wenn man etwas mehr Fokus mitbringt.

Und diese kleine Goldraute. Die bleibt.

EtwasGenuss wünscht euch
Toto


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