Die Drew Estate Blackened M81 Maduro to the Core Robusto kommt unangekündigt auf die Bühne, stellt den Verstärker auf elf und fragt nicht lange, ob man eigentlich bereit für das Konzert ist. Ganz zufällig ist das sicherlich nicht. Hinter der Blackened-Serie stehen James Hetfield von Metallica, Whiskey-Master-Distiller Rob Dietrich und Drew Estate-Gründer Jonathan Drew. Das Ergebnis ist eine ziemlich ungewöhnliche Symbiose aus Tabak, Whiskey und Heavy Metal. Der Name „Blackened“ passt dabei gleich doppelt: Er erinnert an Metallicas Song aus dem Jahr 1988 und beschreibt ziemlich treffend, was einen im Tabak erwartet. Dunkel, würzig, kräftig. Also eher „Master of Puppets“ als Kuschelrock.
Bei der M81 wird das Konzept noch einmal konsequent auf die Spitze getrieben. Das „M81“ spielt auf das Gründungsjahr Metallicas an, während „Maduro to the Core“ ziemlich unmissverständlich klarmacht, wohin die Reise geht. Hier ist nicht nur das Deckblatt dunkel gekleidet. Die gesamte Tabakkomposition setzt auf Maduro-Tabake. Für die Robusto kommt ein mexikanisches San-Andrés-Deckblatt zum Einsatz, darunter liegt ein Broadleaf-Umblatt aus dem Connecticut River Valley. In der Einlage treffen nicaraguanische Tabake auf Pennsylvania-Blätter – let’s rock, Baby!
Soundcheck, one, two, three!
Optisch macht die M81 entsprechend ordentlich Eindruck. Das dunkle Deckblatt präsentiert sich sauber verarbeitet, leicht adrig und verleiht der Robusto eine gewisse „bedrohliche“ Aura. Meine Zigarre machte zunächst allerdings einen kleinen aufmüpfigen Ausflug in Richtung „And Justice for All“: Der Zug war zu Beginn nicht ganz so frei, wie ich es mir gewünscht hätte. Kein Totalausfall, aber doch ein kleiner Moment, in dem man sich fragte, ob der technische Soundcheck bereits abgeschlossen war.
Nach den ersten Zügen legte sich das allerdings. Konstruktionstechnisch gab sich die M81 im weiteren Verlauf keinerlei Blöße. Der Abbrand blieb ordentlich, die Zigarre entwickelte sich zuverlässig und auch beim Zug gab es später keinen Anlass mehr zur Kritik.
Aromatisch startet die M81 zunächst mit einem ziemlich klassischen Maduro-Auftritt. Holz steht deutlich im Vordergrund, dazu gesellen sich erdige Töne und eine trockene Kakaonote. Das ist nicht gerade die musikalische Einleitung einer Powerballade. Eher das Intro, bei dem langsam das Licht ausgeht und man weiß, dass es gleich laut wird.
Pfeffer sorgt für zusätzliche Würze, bleibt dabei aber ausreichend eingebunden. Die Zigarre wirkt zu diesem Zeitpunkt kräftig und trocken, ohne allerdings völlig über die Stränge zu schlagen. Lederartige Anklänge tauchen ebenfalls auf und unterstreichen den dunklen Charakter.
Zeit für die erste Ballade
Doch ungefähr zur Hälfte passiert etwas Interessantes. Die M81 beginnt, ihr musikalisches Arrangement umzubauen. Das Profil wird tiefer und gleichzeitig runder. Die herbe Kakaonote entwickelt plötzlich eine deutlich cremigere Seite. Und irgendwann ist da tatsächlich Schokolade. Nicht einfach nur „ein bisschen Kakao“, sondern eher die Vorstellung eines ordentlichen Schokoladenpuddings. Dunkel, cremig, leicht süßlich. Eine überraschend elegante Entwicklung für eine Zigarre, die bis dahin eher mit Stahlkappenstiefeln unterwegs war.
Im weiteren Rauchverlauf kommen karamellartige Anklänge hinzu. Die Süße bleibt dezent, aber sie verändert den Charakter der M81 spürbar. Die zuvor eher trockene Schokolade wird weicher und cremiger. Für einen Moment könnte man fast vergessen, dass diese Zigarre eigentlich den Namen einer Heavy-Metal-Band auf dem Ring trägt. Fast.
Denn zum Finale dreht die M81 wieder auf. Die Süße tritt etwas zurück, die Würze nimmt zu und die holzigen Aromen kehren deutlicher zurück. Das Finale wirkt dadurch kräftiger und markanter als die Mitte. Die Robusto verabschiedet sich also nicht mit einer sanften Akustiknummer, sondern noch einmal mit ordentlich verzerrter Gitarre.
Lohnenswertes Konzert?
Genau diese Entwicklung macht für mich den Reiz der M81 aus. Sie ist keineswegs über die komplette Rauchdauer ein eindimensionales Kraftpaket. Vielmehr beginnt sie dunkel, holzig und erdig, entwickelt in der zweiten Hälfte eine erstaunlich cremige Schokoladenseite mit karamelligen Akzenten und findet anschließend wieder zu ihrem kräftigeren, würzigen Grundcharakter zurück. Heavy Metal statt Kammermusik. Dunkel, druckvoll und mit ordentlich Charakter meistert sie ihren Auftritt, trotzdem beherrscht sie auch die leiseren Zwischentöne.
Wer also beim Zigarrenrauchen gerne musikalische Parallelen zieht, bekommt hier reichlich Material. Der Beginn ist „Sad but True“, die Schokoladenphase irgendwo zwischen „Nothing Else Matters“ und einem sehr guten Dessert und das Finale dann doch wieder „Enter Sandman“. Nur dass der Sandmann in diesem Fall Holz, Erde, Pfeffer und ordentlich Maduro im Gepäck hat.
Mein Fazit fällt entsprechend positiv aus: Die Drew Estate Blackened M81 Maduro to the Core Robusto ist eine sehr empfehlenswerte Zigarre für Aficionados, die kräftige, dunkle Maduro-Profile mögen und gleichzeitig Wert auf Entwicklung im Rauchverlauf legen. Die anfängliche Zugproblematik war bei meinem Exemplar zwar ein kleiner Schönheitsfehler, danach präsentierte sich die Robusto jedoch ausgesprochen ordentlich.
Eine Zigarre mit Ecken und Kanten, aber eben auch mit überraschend viel Schokolade und karamelliger Cremigkeit. Und das für einen fairen „Eintrittspreis“ von 10,90 Euro. Und wenn dazu noch ein guter Whiskey im Glas steht, ist die Bandbesetzung komplett.
Etwas Genuss wünscht euch
Toto



