Die Mi Querida Ancho Corto von Dunbarton Tobacco & Trust macht gar nicht erst ein Geheimnis daraus, dass sie mehr sein will als nur eine solide Robusto. Ihr Name bedeutet zwar „meine Liebste“, in Nicaragua beschreibt man damit aber eher die heimliche Geliebte. Und genau so tritt sie auf: anziehend, ein bisschen frech und voller Charme. Das Connecticut-Broadleaf-Deckblatt wirkt wie dunkle Schokolade mit leichtem Glanzlack-Überzug, die Konstruktion ist großartig, und der Zugwiderstand fühlt sich an, als hätte jemand monatelang nur dafür kalibriert. Wenn es den perfekten Zugwiderstand gibt, dann ist es dieser hier. Ich weiß schon, warum ich die Zigarren von Steve Saka liebe.

Bereits die ersten Züge haben richtig Drive. Eine Prise schwarzer Pfeffer, Bitterschokolade, Leder und ein Hauch geröstetes Holz preschen nach vorn, während sich die Zigarre noch merklich sortiert und ihre Vielschichtigkeit zunächst zurückhält. Doch schon früh zeigt sie, dass sie mehr kann als nur Druck: Die Asche baut sich weiß, fein und stabil auf. So sauber, dass man sie fast im Regal ausstellen möchte.
Die heimliche Geliebte macht Spaß
Im zweiten Drittel beginnt die Ancho Corto, ihr Temperament auszuleben. Der Pfeffer tritt etwas zurück und die Zigarre wird fruchtiger. Beerige Noten tauchen auf, begleitet von Kakao und einem Espressohauch, der eher Duft als Geschmack ist. Alles bleibt stimmig, nichts drängt sich unangenehm in den Vordergrund, und doch hat man konstant das Gefühl, dass die Zigarre bewusst kleine Überraschungen einstreut. Die erdigen Töne wirken dabei angenehm natürlich, eher wie ein kurzer Abstecher durch frischen Waldboden als wie ein rustikales Ackererlebnis.
Kurz vor Schluss zieht sie noch einmal an, wird intensiver, aber nicht ungehobelt. Die Aromatik verdichtet sich zu einer warmen Mischung aus dezentem Pfeffer, kräftigem Kakao und einer natürlichen, fast samtigen Süße. Es ist ein Finale, das man entspannt ausrauchen möchte, weil sich jede Phase sauber entwickelt und gleichzeitig ein klein wenig anders anfühlt. Vergleicht man sie mit ihrer Schwester im roten Anilla-Gewand, der Triqui Traca No. 652, die ich erst kürzlich hier vorgestellt habe, dann gewinnt die Ancho Corto für mich deutlich: mehr aromatische Varianten, mehr Zwischentöne, einfach mehr Charakter. Die Triqui Traca ist ein kraftvoller Punch, die Ancho Corto hingegen eine Schlagkombination an Aromen.
Geht mehr Zigarre? Wohl kaum!
Und dann ist da noch der Preis. Für 11,50 € liefert die Mi Querida Ancho Corto eine Performance, die man in dieser Preisklasse nicht zwingend erwarten würde. Ein 70-minütiger Smoke, kräftig, nicaraguanisch bis ins Mark, perfekt konstruiert und enorm aromenstark. Das ist ein Deal, bei dem man zweimal hinschaut und sich fragt, ob da jemand bei Dunbarton nicht ganz aufs Preisschild geachtet hat.
EtwasGenuss wünscht euch
Toto



