Meerapfel Meir Pyramid – Vielleicht eine der besten Zigarren der Welt!

Meerapfel Meir Pyramid – Vielleicht eine der besten Zigarren der Welt!

Das Geheimnisvolle an einer Zigarre ist nicht das Offensichtliche, sondern das, was sich im weiteren Rauchverlauf erst noch entwickelt. Die Meerapfel Meir Pyramid ist so eine Zigarre. Sie beginnt erstaunlich ausgewogen, fast zurückhaltend, mit Zedernholz, Nuss und einer cremigen Süße. Doch schon nach wenigen Zügen wird klar, dass hinter dieser Ruhe ein gewaltiges Aromenportfolio schlummert. So einzigartig wie die Aromen ist die ganze Zigarre, denn die Verarbeitung, die dem Namen Meerapfel gerecht wird, ist grandios. Eine Banderole, die fast schon ein eigenes kleines Kunstwerk ist, und eine Geschichte, die bis ins Jahr 1876 zurückreicht. Die Meerapfel Meir ist schließlich nicht irgendeine Boutique-Zigarre mit einem wohlklingenden Familiennamen. Hinter ihr steht eine der traditionsreicheren Familien der internationalen Tabakbranche.

Die Meerapfel Legacy

Und dann ist da noch dieses Pyramid-Format. Ein Format, das ohnehin zu meinen persönlichen Favoriten gehört und bei dieser Zigarre genügend Raum für eine lange Entwicklung bietet. Rund 115 Minuten später war jedenfalls klar, dass hier einiges zusammenkommt: handwerkliche Qualität, eine ungewöhnliche Aromenkomposition und eine kleine salzige Überraschung, die mir besonders im zweiten Drittel im Gedächtnis geblieben ist.

Aber der Reihe nach. Denn bevor die Meerapfel Meir ihre Geschichte im Rauchverlauf erzählt, lohnt sich ein Blick auf die Geschichte hinter ihrem Namen.

Die Geschichte der Familie Meerapfel beginnt 1876 im badischen Untergrombach. Dort gründete Meir Meerapfel eine Zigarrenfabrik und legte damit den Grundstein für ein Unternehmen, dessen Name bis heute eng mit hochwertigem Tabak verbunden ist. Untergrombach ist inzwischen ein Stadtteil von Bruchsal. Auf dem dortigen Friedhof findet sich noch immer ein Familiengrab der mittlerweile in Belgien ansässigen Familie. Die Jahreszahl 1876 findet sich deshalb auch auf der Banderole der Meerapfel Meir. Der Name der Zigarre wiederum ist eine Hommage an den Mann, mit dem diese Geschichte begann: Meir Meerapfel.

Der Name Meerapfel besitzt in der Zigarrenbranche allerdings noch aus einem anderen Grund einen hervorragenden Ruf. Die Familie ist seit Jahrzehnten für hochwertige Deckblätter aus Kamerun bekannt. Diese Tabake fanden Eingang in zahlreiche renommierte Zigarrenproduktionen und wurden unter anderem bei Linien der Tabacalera Arturo Fuente eingesetzt. Damit steht Meerapfel nicht nur für eine Zigarrenmarke, sondern für eine lange Erfahrung mit Tabak.

2014 ging die Familie mit La Estancia erstmals mit einer selbst initiierten Zigarrenlinie an den Markt. Die Meerapfel Meir steht damit nicht am Anfang dieser Entwicklung, sondern ist Teil einer Geschichte, in der aus jahrzehntelanger Erfahrung mit Tabak eigene Zigarren entstanden sind. Die Meir war übrigens nicht die erste Serie, die den Namen eines Familienmitglieds trägt. Vor ihr gab es die Meerapfel Richard. Diese wurde allerdings ausschließlich für den US-Markt produziert und war deshalb in Deutschland nie regulär erhältlich.

Auch bei der Meerapfel Meir bleibt vieles bewusst im Verborgenen. Die Familie macht keine konkreten Angaben zu Einlage, Umblatt oder vollständiger Tabakherkunft. Das ist bei einer Zigarre dieser Kategorie durchaus ungewöhnlich. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass man sich bei der Verkostung stärker auf das konzentriert, was tatsächlich aus dem Rauch kommt.

Ein seltener Schatz

Sicher ist dagegen die begrenzte Produktion. Von der Meerapfel Meir werden pro Vitola und Jahr lediglich 613 Kisten hergestellt. Das ist eine tatsächlich überschaubare Menge und erklärt zumindest teilweise, warum man diese Zigarren nicht in jedem Humidor findet. Wer die Meerapfel Meir Pyramid schließlich in der Hand hält, bekommt zunächst einmal ein ausgesprochen schönes Stück Tabak: Das Format misst 155 Millimeter und besitzt ein Ringmaß von 52. Durch die konische Kopfform verändert sich der Tabakquerschnitt während des Rauchens kontinuierlich. Ein gut abgestimmter Blend kann dadurch eine interessante Entwicklung durchlaufen. Bei der Meerapfel Meir fällt zunächst das Deckblatt auf. Es ist leicht ölig und besitzt eine dezente aber optisch schöne Oberfläche. Die Verarbeitung wirkt insgesamt sauber und hochwertig, ohne dass die Zigarre dabei wie ein industriell perfektioniertes Stück Kunststoff aussehen würde.

Sie hat noch etwas Handgemachtes. Noch auffälliger ist allerdings die Banderole. Der Meerapfel-Schriftzug wird von ausgestanzten Strahlen eingefasst, durch die das darunterliegende Deckblatt sichtbar wird. Dazu kommen Prägungen und holografische Elemente. Die Oberfläche erinnert stellenweise an gehämmertes Metall oder an Blattgold mit einer leicht unregelmäßigen Struktur. Die Anilla erzählt damit einen Teil der Familiengeschichte, bevor überhaupt der erste Zug gemacht wurde. Für eine Zigarre, die ausdrücklich als Hommage an Meir Meerapfel konzipiert ist, passt diese Gestaltung sehr gut.

Auch beim Kaltgeruch bleibt die Zigarre angenehm zurückhaltend. Zedernholz steht im Vordergrund, dazu kommen nussige Eindrücke. Nach dem Anschnitt zeigen die Kaltzüge zusätzlich Erde und eine feine Würze. Bereits hier entsteht der Eindruck einer Zigarre, die eher über Ausgewogenheit als über maximale Intensität funktionieren wird.

Dann kommt Feuer ins Spiel.

Das erste Drittel beginnt mit Zedernholz, das zunächst klar den Ton angibt. Dazu kommen Mandel und Macadamia-Noten. Die Nussaromen wirken nicht trocken, sondern werden von einer cremigen Textur begleitet. Eine leichte Mineralität und eine dezente fruchtige Süße sorgen für zusätzliche Tiefe. Die Würze bleibt zunächst fein.

Aromatisch bewegt sich die Zigarre im mittleren Intensitäts-Bereich. Die Aromatik ist deutlich ausgeprägter, als die moderate bis mittlere Stärke zunächst vermuten lässt. Besonders angenehm ist die Cremigkeit des Rauchs. Die Meerapfel Meir versucht nicht, ihre Qualität über möglichst viel Nikotin oder eine kräftige Pfeffernote zu demonstrieren. Sie setzt auf Balance und eine sauber abgestimmte Aromatik.

Auch technisch ist der Auftakt überzeugend. Der Zugwiderstand ist nahezu perfekt, der Abbrand stabil und die Rauchentwicklung ordentlich. Die Asche ist hellgrau und fest. Das sind bei einer Zigarre dieser Preisklasse keine Nebensächlichkeiten. Ein hervorragender Tabak bringt wenig, wenn man ständig nachfeuern oder korrigieren muss. Die Meerapfel Meir erspart einem diese Beschäftigung.

Ein fantastisches Aromenspiel

Im zweiten Drittel verändert sich die Aromatik langsam. Zedernholz bleibt präsent, während die nussigen Eindrücke stärker mit einer fruchtigen Süße zusammenspielen. Creme, Mineralität und eine feine Würze bleiben erhalten.

Und dann kommt die salzige Note …

Ungefähr ab der Mitte des zweiten Drittels wird sie deutlich wahrnehmbar. Es handelt sich nicht um einen schlicht salzigen Geschmack, sondern um eine mineralisch-salzige Nuance, die dem Blend einen zusätzlichen Akzent gibt. Ähnlich der mineralischen Note eines Terroir-Rieslings von Battenfeld-Spanier. Und genau diese Note hat mich bei der Verkostung besonders beeindruckt! Sie verändert die Wahrnehmung der übrigen Aromen. Die dem Kamerun-Deckblatt typische Süße wirkt weniger weich, das Holz bekommt mehr Kontur und die Nussaromen erscheinen etwas trockener. Gleichzeitig bleibt die Cremigkeit erhalten. Die Zigarre wird dadurch interessanter, ohne ihren Grundcharakter zu verändern.

Das ist für mich eine der großen Stärken der Meerapfel Meir. Sie arbeitet nicht mit abrupten Wechseln. Vielmehr verschiebt sich die Gewichtung der einzelnen Aromen langsam. Man bekommt nicht alle zehn Minuten eine komplett neue Zigarre präsentiert, sondern erlebt, wie sich dieselbe Komposition weiterentwickelt.

Und während man darüber nachdenkt, ist plötzlich eine ganze Menge Zeit vergangen.

Im letzten Drittel wird die Aromatik etwas intensiver.

Zu Nuss und Zedernholz gesellen sich jetzt Erde und Leder. Die Mineralität bleibt bestehen, während die Creme weiterhin für eine gewisse Weichheit sorgt. Die Süße tritt dagegen etwas in den Hintergrund. Auch die Würze nimmt zu. Der letzte Abschnitt wirkt dadurch trockener und erdiger als der Beginn, bleibt aber erstaunlich ausgewogen. Die Zigarre wird nicht scharf und kippt auch nicht in eine unangenehme Bitter- oder Muffigkeit.

Das ist gerade bei einem größeren Format wichtig. Wenn eine Zigarre im letzten Drittel plötzlich nur noch aus Hitze, Bitterkeit und Nikotin besteht, kann eine noch so gute erste Hälfte wenig retten. Die Meerapfel Meir indes hält ihre Linie dagegen bis weit nach hinten durch. Meine Rauchdauer lag bei rund 112 Minuten.

Natürlich ist das kein objektiver Qualitätsmaßstab. Zugverhalten, Pausen, Temperatur und persönliche Rauchweise beeinflussen die Dauer erheblich. Bei dieser Zigarre passt die lange Rauchzeit aber gut zum Format und zum Charakter. Sie belohnt langsames Rauchen. Und genau deshalb würde ich sie auch nicht zwischen zwei Terminen rauchen. Ich habe sie als Geburtstags-Smoke genossen, habe mir selbst etwas Gutes getan.

Die Zigarre verlangt dabei keine permanente Aufmerksamkeit. Gleichzeitig gibt sie einem immer wieder etwas zu entdecken. Das macht sie zu einem angenehmen Begleiter für eine längere Session. Auch die Konstruktion bleibt über den gesamten Rauchverlauf überzeugend. Das Deckblatt hält, der Zug bleibt stabil und der Abbrand benötigt keine nennenswerten Korrekturen. Die Asche bleibt fest und hellgrau. Auch der Nachgeschmack ist angenehm: cremig, nussig, holzig und feinwürzig und die dezente Kamerun-Süße rundet das Spektakel ab.

Qualität hat (leider) ihren Preis

Damit sind wir bei der unangenehmeren Frage angekommen: Was kostet dieses Vergnügen und ist es das wert?

Die Meerapfel Meir Pyramid ist teuer. Wir reden von 74 Euro. Das muss man nicht schönreden. Sie gehört in eine Preisklasse, in der man sich vor dem Kauf durchaus fragen darf, ob eine Zigarre tatsächlich so viel Geld wert sein kann.

Meine Antwort nach dieser Verkostung lautet: Ja, zumindest für jemanden, der bereit ist, für eine besondere Zigarre und unendlich wirkenden Genuss entsprechend zu bezahlen.

Dabei würde ich allerdings nicht behaupten, dass die Meerapfel Meir objektiv doppelt oder dreimal so gut ist wie eine deutlich günstigere Zigarre. Solche Rechnungen funktionieren bei Genussmitteln ohnehin nur sehr eingeschränkt. Der Preis erklärt sich eher aus dem Gesamtpaket. Die limitierte Verfügbarkeit gehört dazu, ebenso die aufwendige Präsentation, die Verarbeitung, die Tabakqualität und natürlich die Geschichte hinter der Marke.

Meine eigene Zigarre habe ich aufgrund zahlreicher Empfehlungen gekauft. Irgendwann wollte ich sie unbedingt rauchen und konnte nicht anders, als diese 74 Euro anzulegen.

Wer seinen Einstieg sucht, muss nicht gleich mit einer derart exklusiven und entsprechend teuren Zigarre beginnen. Für einen erfahrenen Aficionado ist sie dagegen interessant. Sie ist selten, hochwertig verarbeitet, geschmacklich eigenständig und bringt eine Geschichte mit, die über die üblichen Produktversprechen einer Zigarrenmarke hinausgeht.

Die Meerapfel Meir Pyramid funktioniert auch dann, wenn man die Geschichte der Familie komplett ausblendet. Das Ergebnis ist eine sehr harmonische und niemals langweilige Zigarre.

Ist die Meerapfel Meir Pyramid teuer? Ja. Ist sie selten? Ebenfalls ja. Ist sie gut? Nach meinen gemeinsamen Minuten mit ihr fällt die Antwort ziemlich eindeutig aus. Sie ist sogar ausgesprochen gut. Ich habe selten eine bessere geraucht.

Wenn ihr diesen seltenen Schatz besitzt, würde ich sie im Humidor liegen lassen, bis der passende Moment kommt. Dann würde ich mir etwas Zeit nehmen, sie langsam anzünden und mich darauf einlassen, wie sich Zedernholz, Nuss, Creme, Mineralität, Würze, Erde und Leder über fast zwei Stunden verändern. Beginnt die Aromenreise mit Vorfreude und dann genießt einfach …

EtwasGenuss wünscht euch euer
Toto


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