Der Name ist ein Versprechen: Te-Amo, spanisch für „Ich liebe dich“. Ob die neue Te-Amo The Original San Andrés Valley Cigar diesem Anspruch gerecht wird? Nun, wer bei mexikanischen Zigarren bislang vor allem an kräftige Sticks mit dunkler Erdigkeit und einer ordentlichen Portion Pfeffer denkt, könnte bei dieser Robusto eine durchaus angenehme Überraschung erleben. Denn hier geht es deutlich subtiler zu. Kann sie aber auch ihr Versprechen halten?
Manchmal lohnt es sich, alte Bekannte neu kennenzulernen. Die Marke Te-Amo gehört zweifellos zu den traditionsreichen Namen des mexikanischen Zigarrenbaus. Mit der The Original San Andrés Valley Cigar bekommt sie allerdings einen zeitgemäßen Anstrich und eine neue Rezeptur, die mich beim ersten Kennenlernen durchaus überrascht hat. Denn wer hinter dem mexikanischen Namen eine schwere, erdige und womöglich etwas rustikale Angelegenheit vermutet, sollte sich nicht vorschnell festlegen. Die Robusto kann nämlich auch anders und präsentiert sich dabei ausgesprochen charmant.
Turrent – eine mexikanische Ära
Bevor wir uns dem eigentlichen Rauchvergnügen widmen, lohnt ein kleiner Blick auf die Geschichte. Die Wurzeln der Marke reichen bis in die 1880er-Jahre zurück. Damals zog es Alberto Turrent nach Mexiko. Im Gepäck hatte er Tabaksamen kubanischer Herkunft und offenbar auch eine ziemlich gute Nase für geeignete Anbaugebiete. Im San-Andrés-Tal im mexikanischen Bundesstaat Veracruz fand er schließlich Bedingungen vor, die sich für den Tabakanbau als ausgesprochen günstig erweisen sollten. Die vulkanisch geprägten Böden, das besondere Klima und die klimatischen Eigenheiten der Region bilden bis heute die Grundlage für den charakteristischen mexikanischen Tabak.
Die Familie Turrent baute über Generationen hinweg ihre Expertise im Tabakanbau und in der Zigarrenherstellung aus. Lange Zeit lieferte sie Tabake, die unter den Namen anderer Marken verarbeitet wurden. Mitte der 1960er-Jahre entschied sich die Familie schließlich, auch mit einer eigenen Marke aufzutreten. Te-Amo war geboren. Eine durchaus ambitionierte Ansage für ein Genussmittel, das man zunächst einmal anzünden muss, bevor man seine Qualitäten beurteilen kann.
Nach einer längeren Entwicklungsgeschichte wird die Marke nun neu positioniert. Die Linie „The Original San Andrés Valley Cigar“ soll dabei die mexikanischen Wurzeln besonders deutlich herausarbeiten und gleichzeitig den Anspruch moderner Boutique-Zigarren erfüllen. Verantwortlich für die Herstellung ist weiterhin die traditionsreiche Turrent-Manufaktur in Mexiko. Die neue Serie umfasst drei Formate: Robusto, Toro und Magnum. Allen gemeinsam ist die konsequente Verwendung mexikanischer Tabake aus dem San-Andrés-Tal. Wir haben es also mit einem echten mexikanischen Puro zu tun.
Auch die Tabakzusammenstellung ist interessant. Das mittelbraune Deckblatt besteht aus H-San-Andrés-Tabak. Darunter liegt ein Negro San Andrés-Umblatt. Die Einlage setzt sich aus H-Criollo San Andrés und H2000 San Andrés zusammen. Die Familie Turrent bringt damit gleich mehrere Tabakvarianten ihrer Heimatregion zusammen. Das klingt nach einer ziemlich selbstbewussten Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln. Ob daraus auch ein überzeugendes Raucherlebnis entsteht, klärt sich allerdings nicht auf dem Papier, sondern erst am Feuerzeug.
Geglückter Relaunch
Optisch macht die Te-Amo schon einmal eine ziemlich gute Figur. Das mittelbraune Deckblatt gefällt mir ausgesprochen gut. Es wirkt gleichmäßig, besitzt eine angenehme Farbgebung und vermittelt einen gepflegten Eindruck. Richtig gelungen finde ich allerdings die Anilla. Sie ist stylisch gestaltet und lässt gleichzeitig genügend Raum für Interpretationen. Hinter dem Schriftzug Te-Amo scheint sich in unterschiedlichen Grüntönen eine Landschaft abzuzeichnen. Ist das vielleicht das San-Andrés-Tal, das hier dezent in Szene gesetzt wird? Darüber schwebt ein goldfarbenes Himmelsgestirn, bei dem nicht ganz klar ist, ob wir es mit Sonne oder Mond zu tun haben. Die goldene Gestaltung erinnert mich ein wenig an die markante Raute der Cavalier Genève, ist hier allerdings vollständig in das Design der Anilla integriert.
Das untere Drittel wird von einem weiteren goldenen Abschnitt abgeschlossen, auf dem der Schriftzug „The Original San Andrés Valley Cigar“ zu lesen ist. Insgesamt wirkt das ausgesprochen stimmig. Nicht überladen, aber mit genügend Details, um den Blick ein wenig länger auf der Zigarre verweilen zu lassen. Ein richtiger Hingucker, der sich auch auf dem Zigarrenfoto nicht verstecken muss.
Der Kaltgeruch bleibt zunächst eher auf der bodenständigen Seite. Etwas Heu, eine Portion Erde und leichte Ledernoten machen sich bemerkbar. Keine überbordende Aromatik, aber ein angenehmer erster Eindruck, der durchaus neugierig auf das macht, was noch kommen könnte.
Anschnitt und Feuerannahme verlaufen vollkommen problemlos. Schon der Kaltzug lässt einen optimalen Zugwiderstand vermuten. Auf meiner persönlichen Skala landet er bei etwa 45 bis 55 Prozent, und somit genau in dem Bereich, in dem ich mich am wohlsten fühle. Auch „unter Feuer“ bleibt die Te-Amo diesem Eindruck treu. Der Zugwiderstand pendelt sich bei ungefähr 50 Prozent ein. Da muss man nicht erst mit dem Zigarrenbohrer nachhelfen oder sich durch einen gefühlten Kraftakt arbeiten.
Erde, Zeder und subtile Süße
Das erste Drittel beginnt mit einer klaren Erdigkeit. Das Heu aus dem Kaltgeruch ist praktisch verschwunden. Stattdessen gesellt sich unmittelbar eine angenehme Zedernholznote hinzu. Die beiden Aromen bilden ein schönes Fundament, auf dem sich bereits nach kurzer Zeit eine weitere Komponente bemerkbar macht: Crème brûlée! Moment mal, bahnt sich hier etwa eine süße Überraschung an? Offenbar ja. Denn obwohl die Te-Amo vom Körper her zunächst leicht bis mittelkräftig unterwegs ist, zeigt sie von Beginn an eine erstaunlich präsente Aromatik. Das ist eine Kombination, die mir ausgesprochen gut gefällt. Man muss nicht immer mit maximaler Kraft und einer ordentlichen Portion Pfeffer auf sich aufmerksam machen. Die Mexikanerin beweist, dass auch ein etwas zurückhaltenderer Auftritt durchaus „sweet“ sein kann.
Im zweiten Drittel wird die Sache noch interessanter: Zu den weiterhin präsenten Erd- und Zedernholztönen gesellt sich eine weitere, unterschwellige Sahnesüße. Sie legt sich gewissermaßen wie eine cremige Schicht über die bisherigen Aromen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Auch die Ledernote ist wieder da. Allerdings eher als dezenter Begleiter im Hintergrund und nicht als dominanter Geschmacksträger. Die Aromatik bleibt wunderbar ausgewogen. Nichts drängt sich auf oder wird künstlich überzeichnet.
Besonders überrascht bin ich von der vergleichsweise moderaten Stärke. Die Zigarren aus dem Hause Turrent hatte ich bislang eher als mittelkräftige Vertreter ihrer Zunft kennengelernt. Die The Original San Andrés Valley Cigar empfinde ich hingegen als ausgesprochen zugänglich. Sie fordert mich zu keiner Zeit unangenehm heraus, langweilt mich aber ebenso wenig. Gerade diese Balance zwischen leichterem bis mittlerem Körper und einer durchaus vollmundigen Aromatik macht für mich einen wesentlichen Teil ihres Reizes aus.
Best of Konstruktion und Aromatik
Eine weitere positive Randnotiz verdient die Asche. Die steht nämlich ausgesprochen stabil. Mittelgrau in der Farbe, kompakt in der Struktur und mit einer Standfestigkeit, die man durchaus hervorheben darf. Selbst nachdem ich sie schließlich abgestreift habe, landet sie nicht als zerbröseltes Häufchen im Aschenbecher, sondern liegt dort satt und geschlossen. Das ist zwar kein alleiniges Qualitätsmerkmal einer Zigarre, macht beim Rauchen aber trotzdem Freude. Und seien wir ehrlich: Eine Zigarre, die ihre Asche besser zusammenhält als so mancher Bundesligist seine Abwehr, hat schon einmal einen kleinen Sympathiebonus verdient. Und ich weiß, wovon ich spreche.
Im letzten Drittel verändert sich die Süße noch einmal. Die zuvor wahrgenommene Sahne- und Crème-brûlée-Anmutung tritt etwas zurück. Stattdessen entwickelt sich eine Honignote, die sich zunehmend in das Aromenspiel einfügt. Dabei bleibt die Te-Amo erfreulich weit entfernt von jener klebrig-süßlichen Bonbonaromatik, die bei manchen Zigarren irgendwann den Eindruck erweckt, man hätte versehentlich ein Stück Naschwerk angezündet.
Das liegt vor allem daran, dass die erdigen und zedrigen Komponenten weiterhin ein stabiles Gegengewicht bilden. Sie geben der Süße Halt und sorgen dafür, dass das Aromenspiel nicht ins Beliebige kippt. Die Crème brûlée ist jetzt kaum noch wahrnehmbar. Dafür wird die gesamte Aromatik zum Ende hin etwas intensiver. Eine leichte Bitternote kommt hinzu und begleitet den Ausklang. Das passt durchaus gut, denn die Zigarre verabschiedet sich damit nicht einfach nur mit einer süßen Note, sondern bekommt noch einmal etwas mehr Kontur.
Auch im Hinblick auf die Stärke bleibt sie angenehm beherrschbar. Es gibt keinen plötzlichen Kraftanstieg, der einem im letzten Drittel signalisiert, dass es nun Zeit wäre, die Zigarrenpause zu beenden. Vielmehr bleibt die Te-Amo ihrer Linie treu und entwickelt ihre Aromen mit einer gewissen Gelassenheit weiter. Das macht sie zu einem unkomplizierten, aber keineswegs anspruchslosen Rauchvergnügen. Eine Zigarre, die man bis zum Ende rauchen darf!
Und damit wären wir bei einer Frage, die sich nach dieser Verkostung fast zwangsläufig stellt: Wann raucht man diese Zigarre am besten? Meine Antwort fällt ziemlich eindeutig aus: eigentlich immer dann, wenn man Lust auf eine aromatische, aber nicht überfordernde Zigarre hat. Besonders gut kann ich sie mir als Frühstückszigarre vorstellen. Ja, richtig gelesen. Während andere morgens erst einmal einen doppelten Espresso benötigen, dürfte es bei mir durchaus auch eine Te-Amo sein. Dazu ein Milchkaffee oder ein milder Kaffee Crema und die Kombination ist für mich nahezu perfekt.
Auch als Dessertzigarre könnte sie eine hervorragende Figur machen. Die cremigen und später honigartigen Noten harmonieren wunderbar mit einem milden Kaffee. Wer es etwas süßer mag, könnte sich dazu sicherlich auch eine passende Nachspeise vorstellen. Ich würde allerdings gar nicht allzu viel experimentieren. Die Zigarre bringt schon genügend mit, um auch ohne kulinarisches Begleitprogramm zu überzeugen.
In Kürze in Deutschland erhältlich
Eine besondere Erwähnung verdient an dieser Stelle noch die Begegnung, der ich dieses Verkostungsexemplar überhaupt zu verdanken habe. In der Lounge in Essen traf ich zufällig Jordi Llorens-Carrió, den Inhaber von Feine Puros und Zubehör. Er wird künftig den Deutschlandvertrieb der Te-Amo The Original San Andrés Valley Cigar übernehmen und hatte freundlicherweise ein Exemplar für mich dabei. Ein glücklicher Zufall, wie sich herausstellen sollte. Denn die Mexikanerin hat bei mir einen ausgesprochen positiven Eindruck hinterlassen.
Mit einem Preis von 11,90 Euro für die Robusto ist sie zudem durchaus fair kalkuliert. Gerade angesichts der gebotenen Aromatik, der tadellosen Verarbeitung und des angenehmen Rauchverlaufs sehe ich hier ein überzeugendes Preis-Genuss-Verhältnis. Die Zigarre soll in Kürze auch in Deutschland erhältlich sein.
Mein persönliches Fazit fällt entsprechend deutlich aus: Die Te-Amo The Original San Andrés Valley Cigar Robusto ist eine ganz tolle Zigarre, die mich vor allem durch ihre Balance und ihre überraschend cremige aber dennoch äußerst dezente Süße begeistert hat. Erde und Zedernholz bilden das aromatische Rückgrat, während die sanft-süßen und sich stets wandelnden Noten für eine abwechslungsreiche Entwicklung sorgen. Dazu kommen ein hervorragender Zugwiderstand, eine stabile Asche und eine Stärke, die auch weniger erfahrene Raucher nicht überfordern dürfte.
Ich bin jedenfalls ziemlich angetan. Die Te-Amo wird definitiv einen festen Platz in meinem Humidor bekommen. Und das nicht nur aus Neugier auf die beiden anderen Formate. Sie hat sich ihren Platz mit einer rundum gelungenen Vorstellung verdient. Eine hochspannende, ausgesprochen köstliche Zigarre und eine willkommene Bereicherung des Marktes. Wenn die Mexikanerin hierzulande erst einmal angekommen ist, dürfte sie durchaus für Aufsehen sorgen.
Oder, um es mit ihrem Namen zu sagen: Te-Amo. Ich glaube, das könnte etwas werden!
EtwasGenuss wünscht euch euer
Toto



