Die Eiroa 1916 Tabacalera Eiroa Robusto macht es mir leicht, sie zu mögen. Sie ist sauber verarbeitet, entwickelt ihre Aromen angenehm weiter und liefert einen Smoke, bei dem ich mich nicht ständig frage, ob ich gerade etwas verpasse. Holz, Erde und Pfeffer bilden den Auftakt, später kommen Muskat, Piment und Vanille hinzu. Handwerklich gibt es wenig zu meckern. Nur beim Preis von 15,50 Euro für eine Robusto muss ich kurz überlegen. Doch dazu später mehr.
Hinter dem Namen Eiroa steckt eine lange Familiengeschichte, deren Wurzeln bis ins Jahr 1916 zurückreichen. Damals verließ Generoso Eiroa Spanien und fand über Umwege seinen Weg in die Welt des kubanischen Tabaks. Über Generationen entwickelte sich daraus eine bedeutende Tabakdynastie, deren Erbe heute unter anderem Christian Eiroa und sein Sohn Santi fortführen. Mit der 1916 Tabacalera Eiroa verbindet Santi Eiroa die unterschiedlichen Geschmackspräferenzen seiner Familie. Während Großvater Julio eher mildere Zigarren schätzte, darf es bei Vater Christian kräftiger zugehen. Der Sohn versucht, beide Richtungen in einer Mischung zusammenzubringen. Das klingt nach einer diplomatischen Familienangelegenheit, bei der jeder ein bisschen bekommt, was er möchte. Glücklicherweise muss man dafür nicht am Familientisch sitzen.
Zwischen Familientradition und Moderne
Im Mittelpunkt stehen zwei Tabaksorten aus Honduras: Corojo und Pinareño. Letztere ist eine vergleichsweise seltene Saat, die 1960 ihren Weg nach Honduras fand. Ihr Anbau gilt als anspruchsvoll, da die Pflanzen empfindlicher sind und geringere Erträge liefern. Für die Einlage werden beide Sorten miteinander kombiniert. Deckblatt und Umblatt stammen ebenfalls aus Honduras und durften vor ihrer Verarbeitung fünf Jahre reifen.
Die Robusto bringt klassische Abmessungen mit: 12,7 Zentimeter Länge bei einem Ringmaß von 50. Damit liegt sie gut in der Hand und verspricht eine überschaubare, aber keineswegs hastige Rauchpause. Wer lieber etwas länger genießt, kann innerhalb der Serie auch zur Belicoso oder Toro greifen.
Schon beim ersten Kontakt überzeugt die Verarbeitung. Das Deckblatt ist ordentlich gearbeitet, die Zigarre vermittelt einen hochwertigen Eindruck. Auch während des Rauchens gibt es kaum Anlass zur Kritik. Der Zugwiderstand ist hervorragend, der Abbrand verläuft im Großen und Ganzen okay. Zwischendurch mal ein sanfter Schiefbrand, der sich aber schnell korrigieren lässt. Dazu kommt eine stabile, mittelgraue Asche, die erfreulich lange hält. Technisch spielt die Eiroa damit in einer Liga, in der ich bei diesem Preis auch eine entsprechende Leistung erwarte. Sie liefert sie.
Ein kleines Aromenfeuerwerk
Geschmacklich beginnt die Robusto zunächst bodenständig. Holzige und erdige Noten bestimmen die ersten Züge, begleitet von schwarzem Pfeffer. Das ist kein spektakulärer Auftakt, aber eine solide Grundlage. Der Pfeffer bringt etwas Würze ins Spiel, ohne die Geschmacksknospen gleich zum Sparring herauszufordern. Die erdigen Aromen bleiben angenehm eingebunden, und die Zigarre wirkt von Beginn an zugänglich.
Im Verlauf des ersten Drittels verändert sich das Profil allmählich. Muskat tritt hinzu, kurz darauf machen sich sanfte Pimentnoten bemerkbar. Im zweiten Drittel gewinnen beide deutlich an Präsenz und verleihen der Mischung mehr Tiefe. Die anfängliche Kombination aus Holz, Erde und Pfeffer bekommt dadurch eine warme, würzige Komponente, die gut mit den übrigen Aromen harmoniert. Was mir daran gefällt: Die Entwicklung geschieht ohne abrupte Wechsel. Die Eiroa baut ihr Profil Schritt für Schritt aus. Muskat und Piment sind klar erkennbar, ohne dass der Smoke seine Zugänglichkeit verliert. Wer sich auf die Aromen konzentriert, entdeckt genügend Nuancen. Wer einfach nur entspannt rauchen möchte, wird ebenfalls glücklich.
Ab etwa der Mitte des zweiten Drittels kommt Vanille hinzu. Anfangs hält sie sich noch zurück, im letzten Drittel wird sie deutlich wahrnehmbarer. Die süßlichen Noten bilden einen angenehmen Kontrast zur würzigen Grundausrichtung, ohne die Zigarre in Richtung Dessert zu verschieben. Holz und Erde bleiben präsent und geben der Zigarre ein gewisses Rüstzeug, während die Vanille dem Profil eine weichere, beinahe cremig wirkende Seite verleiht.
Gerade dieser Abschluss gefällt mir. Die Robusto verliert ihre Würze nicht, sondern ergänzt sie um eine süßliche Facette, die zum richtigen Zeitpunkt auftaucht. Das letzte Drittel wirkt deshalb keineswegs wie ein bloßes Auslaufen der vorherigen Aromen. Vielmehr bekommt die Zigarre noch einmal einen eigenen Akzent, ohne ihre Linie zu verlassen.
Insgesamt ist die Eiroa 1916 ein ausgewogener Smoke, der seine Stärken aus einer gelungenen Aromenkombination und einer sauberen Verarbeitung bezieht. Das ist nicht revolutionär, aber handwerklich überzeugend umgesetzt. Eine Zigarre muss schließlich nicht jedes Mal die Tabakwelt neu erfinden, um Freude zu bereiten.
Geschmaklich gut, preislich ambitioniert
Kommen wir zum Preis. 15,50 Euro sind für die Robusto durchaus eine Ansage. Die Qualität stimmt, der Zug ist hervorragend, der Abbrand unkompliziert und auch geschmacklich gibt es wenig auszusetzen. Trotzdem finde ich den Betrag für dieses Format etwas ambitioniert. Bei einer Toro könnte ich mich damit deutlich leichter anfreunden. Das größere Format würde für mich besser zur Preisgestaltung passen. Bei der Robusto bleibt dagegen der Eindruck, dass man zwar eine rundum zuverlässige Zigarre bekommt, dafür aber recht schnell am Ende angekommen ist.
Das schmälert den positiven Gesamteindruck nur bedingt. Wer eine gut gemachte honduranische Zigarre mit klassischer Würze und einer angenehmen aromatischen Entwicklung sucht, sollte die Eiroa 1916 Tabacalera Eiroa Robusto durchaus auf dem Zettel haben. Mein Fazit fällt deshalb positiv aus, auch wenn ich beim Preis ein wenig die Stirn runzle. Die Robusto ist ein überzeugender Smoke, der sich keine handwerklichen Schwächen leistet und geschmacklich eine schöne Entwicklung zeigt. Für 15,50 Euro hätte ich mir lediglich etwas mehr Zigarre gewünscht. Die Toro wäre für mich deshalb vermutlich die passendere Wahl. Manchmal sind es eben doch die paar Zentimeter, die den Unterschied machen.
EtwasGenuss wünscht euch
Toto



