Nach dem Genuss der Mombacho Botucal Robusto, die ich kürzlich rauchen durfte und die ein sehr spannendes, rundes und geschmackvolles Profil besaß, war ich gespannt auf den Genuss der Mombacho Tierra Volcan Grande. Sie lag geschniegelt vor mir wie ein gut gekleideter Diplomat aus Nicaragua. Helles, sand-beiges Sungrown-Deckblatt aus Jalapa, fein geädert, dazu eine elegant abgestimmte Doppel-Anilla. Optisch ein Versprechen. Meine erste Assoziation ging direkt in Richtung Erde und Leder. Der Kaltgeruch bestätigte das Bild, ergänzt um eine feine Würze, die neugierig machte.
Die Marke selbst hat ja eine durchaus interessante Geschichte. Gegründet 2006 von zwei Kanadiern, die sich in das nicaraguanische Zigarrenhandwerk verliebten, produziert man heute in der Casa Favilli in vergleichsweise kleiner Stückzahl. Viel Handarbeit, viel Anspruch. Die Tierra Volcan Linie, seit 2014 am Start, setzt auf eine klassische nicaraguanische Melange mit Criollo-Umblatt aus Condega und Einlage aus Jalapa und Condega. Also genau das, worauf man sich an einem entspannten Tag im Eiscafe gerne einlässt.
Gehölz statt Lava
Dann kam der Anschnitt. Und mit ihm die erste Ernüchterung. Der Kaltzug fühlte sich an, als hätte jemand beschlossen, die Luftzufuhr auf symbolische Werte zu begrenzen. Gefühlte 90 Prozent Zugwiderstand sorgten für ein Beben des Zäpfchens in meinem Rachen. Das Anzünden wurde zur Geduldsprobe, die Flamme griff nur zögerlich, und auch nur einseitig. Die ersten Züge bestätigten den Verdacht. Da war etwas Leder, irgendwo tief im Inneren, aber es kam schlicht zu wenig davon an.
Also Werkzeug raus. Der PerfecDraw durfte ran. Und der lieferte. Was da aus dem Inneren der Zigarre gezogen wurde, erinnerte eher an Kaminholz als an fein abgestimmte Tabakkomposition. Danach ein erneuter Zug. Und siehe da, plötzlich war Luft im System. Manchmal braucht selbst ein Vulkan eben einen kleinen technischen Eingriff. Mit funktionierendem Zug zeigte die Tierra Volcan dann endlich ihr Gesicht. Leder stand klar im Vordergrund, dazu gesellte sich eine erdige Basis, wie man sie von nicaraguanischen Blends erwartet. Eine gewisse Cremigkeit war vorhanden, blieb aber eher zurückhaltend. Insgesamt wirkte das erste Drittel erstaunlich linear. Nicht unangenehm, aber auch nicht sonderlich aufregend.
Im zweiten Drittel hoffte ich auf mehr Bewegung. Ein bisschen Entwicklung, ein paar Ecken und Kanten. Tatsächlich kam eine leichte Süße dazu, sehr dezent, eher angedeutet als wirklich präsent. Irgendwo im Hintergrund schimmerte etwas, das man mit gutem Willen als Kaffee interpretieren konnte. Dazu gesellten sich leichte mineralische Noten. Das Rauchvolumen war ordentlich, der Abbrand nach der Korrektur stabil, auch wenn die Asche etwas brüchig wirkte und nicht gerade durch Standfestigkeit glänzte.
Du stures Stück Tabak
Das dritte Drittel blieb dann konsequent. Oder, je nach Perspektive, stur. Keine nennenswerte aromatische Entwicklung mehr. Leder, Erde, ein Hauch Creme. Wer es positiv formulieren möchte, spricht von Klarheit und Geradlinigkeit. Wer es weniger wohlwollend sieht, nennt es eintönig.
Dabei ist die Grundanlage der Zigarre absolut solide. Leicht- bis mittelkräftig, ansonsten sauber verarbeitet nach der kleinen chirurgischen Maßnahme. Aber im direkten Vergleich zur zuvor gerauchten Mombacho Botucal Robusto fehlte hier schlicht die Spannung. Die Botucal hatte Dynamik, Wendungen, kleine Überraschungen. Die Tierra Volcan Grande dagegen fährt über weite Strecken im gleichen Gang.
Unterm Strich bleibt ein etwas zwiespältiger Eindruck. Optisch ein echter Hingucker, konzeptionell stimmig, nach der Korrektur auch technisch in Ordnung. Aromatisch jedoch zu wenig Bewegung, zu wenig Tiefe. Für Freunde klarer, erdig-ledriger Profile kann das funktionieren. Wer allerdings auf Entwicklung und Spiel setzt, wird hier eher höflich nicken als begeistert aufspringen.
Oder anders gesagt: Der Vulkan ist da. Er brodelt auch ein bisschen. Aber der große Ausbruch bleibt aus.
EtwasGenuss wünscht euch
Toto



