Zeitlos gut: Die Ferio Tego Timeless Prestige Robusto im Test

Zeitlos gut: Die Ferio Tego Timeless Prestige Robusto im Test

„Timeless“ ist ein ziemlich selbstbewusster Name für eine Zigarre. Zeitlos klingt schließlich nach etwas, das allen Moden trotzt, niemals aus der Zeit fällt und vermutlich auch noch dann im Humidor liegt, wenn wir längst mit einem Chip im Nacken herumlaufen. Die Ferio Tego Timeless Prestige Robusto muss allerdings gar nicht so weit vorausdenken, denn sie hat schon jetzt einiges zu bieten.

Ferio Tego ist noch eine vergleichsweise junge Marke, obwohl ihre Geschichte deutlich weiter zurückreicht. Gegründet wurde sie 2019 von Michael Herklots und Brendon Scott, zwei ehemaligen Köpfen hinter Nat Sherman. Einige der dort gepflegten Zigarrenideen fanden unter dem neuen Namen ihre Fortsetzung. Die Timeless Prestige gehört zu diesen Linien. Produziert wird sie in der Dominikanischen Republik bei Tabacos de Exportación der Familie Quesada. Ihr Blend kombiniert sechs Tabake aus drei Ländern: ein honduranisches Colorado-Maduro-Deckblatt, dominikanisches Umblatt sowie dominikanische und nicaraguanische Einlagetabake. Multikulti in der Zigarrenwelt, mal sehen, was sie kann.

Schon optisch macht die Robusto einen ordentlichen Eindruck. Das Deckblatt ist soweit sauber verarbeitet und ist von beige-mittelbrauner Farbe. Der Kaltgeruch macht ebenfalls neugierig. Zedernholz steht ziemlich klar im Vordergrund, dazu kommen leichte Fermentationsnoten. Das Ganze riecht angenehm nach Tabak und nicht nach künstlichem Aromenzirkus. Ein guter Anfang.

Der Cut gelingt problemlos und auch die Feuerannahme gibt keinen Anlass für dramatische Geschichten. Einmal Feuer dran, ein paar Züge und die Sache läuft. Das Zugverhalten ist angenehm, das Rauchvolumen ordentlich. Wer beim Zigarrenrauchen gerne möglichst große Wolken produziert, muss sich hier jedenfalls nicht in Zurückhaltung üben. Die Timeless Prestige liefert genug Rauch, um den Zigarrennarren glücklich zu machen.

Optik, Haptik und Sensorik: top!

Geschmacklich geht es ebenfalls ziemlich zügig los. Weißer Pfeffer und Toast stehen im ersten Drittel auf der Bühne und haben offenbar nicht vor, sich lange vorzustellen. Der Pfeffer sorgt für eine angenehme Würze, während die Toastnoten einen herzhaften Unterbau liefern. Das ist ein Auftakt mit Charakter, ohne gleich die Geschmacksnerven in die Notaufnahme zu schicken. Gegen Ende des ersten Drittels kommt Kaffee hinzu. Noch eher dezent, aber deutlich genug, um die Richtung anzudeuten. Die Zigarre wird dadurch dunkler und etwas runder. Der Pfeffer bleibt präsent, muss sich aber nicht mehr ganz so breitmachen.

Im zweiten Drittel wird es gemütlicher. Holzige Aromen treten stärker hervor, insbesondere Zeder. Der Pfeffer zieht sich etwas zurück. Sehr vernünftig von ihm, denn so bekommen die anderen Aromen endlich etwas Redezeit. Die Toastnoten bleiben erhalten, werden aber ebenfalls milder. Dafür kommt eine cremige Komponente hinzu. Und genau hier macht die Timeless Prestige Spaß. Sie läuft nicht einfach auf einer geraden Aromaschiene durch den Abend, sondern verschiebt immer wieder die Gewichte. Erst Pfeffer und Toast, dann Holz und Creme. Das ist nicht spektakulär im Sinne eines Feuerwerks, aber angenehm abwechslungsreich. Eine Zigarre muss schließlich nicht bei jedem Zug eine neue Persönlichkeit entwickeln. Das wäre auf Dauer auch etwas anstrengend.

Im dritten Drittel zieht die Robusto dann noch einmal an. Die Creme wird fülliger und die Kaffee- sowie Nussaromen werden deutlich intensiver. Jetzt kommt richtig Substanz ins Spiel. Dazu gesellen sich Backgewürze und Leder. Das ist eine Kombination, die ziemlich gut funktioniert. Warm, würzig, leicht erdig und mit genügend Tiefe. Besonders schön sind die kleinen Details: etwas Nelke und ein leichter Vanilleeinschlag. Nicht die Vanille aus dem künstlich bedufteten Auto, sondern eine dezente süßliche Nuance, die sich in das würzige Gesamtbild einfügt. Zusammen mit Kaffee, Nuss und den Backgewürzen entsteht ein Finale, das deutlich komplexer ist als der Start vermuten lässt.

Die Würzigkeit erinnert mich dabei stellenweise an die Mata Hari Zigarren. Nicht als geschmackliche Kopie, sondern eher vom grundsätzlichen Gefühl her. Da ist diese würzige Präsenz, die der Zigarre einen eigenen Charakter gibt. Die Timeless Prestige bleibt dabei aber angenehm ausgewogen.

Holz, Creme und Würze – eine tolle Kombi

Überhaupt ist Balance ein gutes Stichwort. Die Robusto ist für mich mittelkräftig bis vollmundig. Sie hat also durchaus etwas auf den Rippen, ohne den Raucher gleich nach dem ersten Drittel wissen zu lassen, dass heute besser niemand mehr Auto fährt. Ihre Stärke kommt eher über die Aromendichte als über brachiale Nikotinattacken. Das gefällt mir.

Auch handwerklich gibt sich die Zigarre keine größere Blöße. Der Zug bleibt gut, das Rauchvolumen stimmt und die Asche ist erfreulich stabil. Und dann wäre da noch dieser Aschekegel. Der ist tatsächlich ziemlich sexy. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das einmal über verbrannten Tabak schreiben würde, aber diese Zigarre zwingt mich offenbar, meine eigenen Grenzen neu zu definieren.

Der Abbrand ist ebenfalls ordentlich. Über weite Strecken zieht die Robusto sauber ihre Bahn. Ein leichter Schiefbrand kann vorkommen, bleibt aber eher in der Kategorie „kleiner Hinweis an den Fahrer“ und nicht „Feuerwehr verständigen“. Ein wenig Korrektur reicht und weiter geht es.

Was mir besonders gefällt, ist die Entwicklung über die gesamte Rauchdauer. Die Zigarre beginnt würzig und toastig, wird im Mittelteil holziger und cremiger und legt am Ende mit Kaffee, Nuss, Leder und Backgewürzen noch einmal ordentlich nach. Dabei wirkt nichts völlig losgelöst vom Rest. Die einzelnen Aromen greifen ineinander und ergeben einen runden Gesamteindruck.

Das macht die Timeless Prestige zu einer Zigarre, die sowohl beim bewussten Verkosten als auch beim entspannten Rauchen funktioniert. Man kann sich mit ihr beschäftigen und nach Zeder, Kaffee, Nelke und Vanille suchen. Man kann aber genauso gut einfach dasitzen, rauchen und feststellen, dass gerade alles ziemlich gut zusammenpasst. Beides ist legitim.

Achtung, Wiederholungsgefahr

Auch preislich bleibt die Ferio Tego erfreulich bodenständig: Elf Euro kostet die Robusto. Angesichts der Verarbeitung, des guten Zugverhaltens und vor allem der aromatischen Entwicklung halte ich das für absolut fair. Hier bekommt man keine Zigarre, die sich hinter einem großen Namen verstecken muss. Sie muss lediglich brennen und schmecken. Und genau das tut sie.

Ferio Tego ist dabei eine Marke, die man durchaus im Auge behalten sollte. Die Timeless Prestige zeigt jedenfalls, dass der Ansatz funktioniert: klassische Wurzeln, moderne Interpretation und ein Blend, der nicht versucht, mit maximaler Stärke auf sich aufmerksam zu machen. Die beiden anderen Timeless-Linien, Panamericana und Supreme, werden von Plasencia in Nicaragua gefertigt. Ein bisschen mehr Timeless im deutschen Humidor könnte durchaus interessant werden.

Die Prestige Robusto hat bei mir jedenfalls einen ziemlich nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Nicht im Sinne einer Zigarre, über die man anschließend drei Tage lang Gedichte schreibt. Dafür bin ich ohnehin nicht zuständig. Aber als würzige, vollmundige und abwechslungsreiche Robusto funktioniert sie ausgesprochen gut. Für mich ist sie damit ein ziemlich klarer Fall von: gerne wieder. Die Kombination aus weißem Pfeffer, Toast und Kaffee zum Start, Holz und Creme in der Mitte sowie Nuss, Kaffee, Leder und Backgewürzen im Finale macht sie zu einer Zigarre, bei der der Humidorbesitzer schon einmal überlegen darf, ob er vielleicht vorsichtshalber zwei Exemplare bestellt.

Eine davon könnte schließlich plötzlich verschwunden sein. Man kennt das ja.

EtwasGenuss wünscht euch
Toto


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