Aus dem Bourbonfass ins Glastube: Die Gurkha Bourbon Collection Toro

Aus dem Bourbonfass ins Glastube: Die Gurkha Bourbon Collection Toro

Die Vermählung von Whiskey und Tabak ist eine Kombination, die zunächst einmal so naheliegend wie reizvoll klingt. Beide Disziplinen leben von Reife, Holz, Würze und einer gewissen Geduld. Und beide können, wenn sie gut gemacht sind, deutlich mehr hervorbringen als die Summe ihrer Einzelbestandteile. Die Gurkha Special Edition Bourbon Collection Toro Natural Glastube versucht genau diesen Schulterschluss. Sie nimmt eine klassische Zigarre mit Connecticut-Deckblatt und bringt sie mit Bourbon-Aromen zusammen. Das funktioniert deshalb, weil der Tabak in Bourbon-Fässern nachreifen durfte. Das Ergebnis ist keine Zigarre, die lediglich irgendwo im Hintergrund ein wenig nach Whiskey duftet. Der Bourbon ist von Anfang an Teil des sensorischen Konzepts und macht sich bemerkbar, ohne die Tabakbasis vollständig zu überdecken.

Vom Eyecatcher zum Gaumenschmeichler?

Schon die Präsentation passt zu Gurkha. Die Zigarre steckt in einem transparenten Glastube und trägt eine ausgesprochen pompöse, für die Marke geradezu typische Bauchbinde. Das ist optisch durchaus selbstbewusst und dürfte niemanden überraschen, der Gurkha kennt. Der Glastube erfüllt dabei nicht nur eine dekorative Funktion. Er schützt die Zigarre und hält gleichzeitig einen Teil des Aromas im Inneren. Genau deshalb lohnt sich vor dem Anschneiden ein kleiner Moment, den man bei dieser Zigarre durchaus zelebrieren sollte: Tube öffnen, nicht sofort zugreifen, sondern zunächst die Nase an das Glas halten. Was sich dort sammelt, ist tatsächlich bemerkenswert. Bourbon und Tabak gehen bereits im Duft eine enge Verbindung ein. Dazu kommen Getreide, Eiche, etwas Karamell und Vanille. Es riecht gleichzeitig nach Tabaklager und Whiskeyfass. Ein ungewöhnliches Kaltaroma, das ziemlich deutlich macht, worauf man sich hier einlässt.

Die Toro misst 6 1/2 x 52 und trägt ein Connecticut-Natural-Deckblatt aus der Dominikanischen Republik. Auch Umblatt und Einlage stammen aus der Dominikanischen Republik. Das Deckblatt präsentiert sich mittelbraun, leicht ölig und samtig, allerdings nicht völlig makellos. Einige Äderchen sind sichtbar und verleihen dem sonst eher eleganten Auftritt eine gewisse Rustikalität. Das passt letztlich ganz gut zum Charakter der Zigarre, denn hier wird ohnehin weniger auf sterile Perfektion als auf ein aromatisches Erlebnis gesetzt. Die Verarbeitung gibt keinen Anlass zur Kritik. Vor dem Anzünden fällt allerdings bereits ein Punkt auf, der sich auch später bestätigt: Der Zugwiderstand ist ausgesprochen gering. Im Kaltzug zieht die Toro beinahe widerstandslos. Mir persönlich ist das etwas zu offen. Ein wenig mehr Zugwiderstand hätte die Aromen meiner Meinung nach noch konzentrierter zur Geltung gebracht.

Tabak meets Bourbon

Im Kaltzug selbst zeigt sich bereits, wohin die Reise gehen könnte. Getreidige Noten, ein Hauch von Kaffee, Zedernholz und Karamell machen sich bemerkbar. Und natürlich ist da wieder dieser Bourbon-Eindruck. Nicht als künstlich wirkende Whiskeyparfümierung, sondern eher als Verbindung aus Holz, Getreide, Süße und einer leichten alkoholischen Anmutung. Gerade diese Mischung macht die Zigarre interessant. Sie versucht nicht, aus einem Tabak einen flüssigen Bourbon zu machen. Vielmehr ergänzt sie die ohnehin vorhandenen Aromen des Tabaks um Komponenten, die man auch aus dem Whiskeyglas kennt.

Nach dem Anzünden beginnt die Toro zunächst erstaunlich klassisch. Zedernholz und Leder stehen im Vordergrund, begleitet von einer sanften Cremigkeit. Gleichzeitig entwickelt die Zigarre eine ausgesprochen intensive Rauchmenge. Wer gerne mit großen Rauchwolken arbeitet, kommt hier auf seine Kosten. Der Rauch ist dicht, cremig und voluminös und trägt die Aromen sehr schön über den Gaumen. Nach wenigen Zügen tritt eine Getreidenote hervor, die mich unmittelbar an Roggen erinnert. Genau hier beginnt die Bourbon-Idee sensorisch richtig interessant zu werden. Roggen, Holz und eine leichte Süße bilden eine Brücke zwischen Tabak und Whiskey, ohne dass einer der beiden Partner den anderen vollständig verdrängt.

Die Asche ist hellgrau, allerdings nicht besonders stabil. Sie neigt dazu, relativ bröselig zu werden, weshalb man die Zigarre besser nicht über dem guten Wohnzimmerteppich abaschen sollte. Beim Abbrand selbst gibt es dagegen wenig zu meckern. Die Toro läuft sauber und gleichmäßig, ein Nachfeuern ist während meines Smokes nicht erforderlich. Das ist angesichts des sehr offenen Zuges durchaus erfreulich, denn eine Zigarre mit so viel Luftdurchsatz kann sich gelegentlich zu einem kleinen Eigenleben beim Abbrand entschließen. Diese hier bleibt erfreulich unkompliziert.

Ein spannendes Aromen-Portfolio

Im ersten Drittel bleibt das Aromenspiel auf der holzig-würzigen Seite. Zedernholz und Leder geben den Ton an, dazu kommt die getreidige Würze. Die Cremigkeit hält sich angenehm im Hintergrund und sorgt dafür, dass die einzelnen Komponenten nicht zu kantig erscheinen. Der Bourbon ist dabei nicht permanent als eigenständige Note zu identifizieren. Vielmehr steckt er gewissermaßen zwischen den Aromen. Eiche, Getreide, Karamell und Vanille sind Bestandteile des Geschmacksbildes, das man mit Bourbon verbindet, und genau diese Elemente finden sich auch in der Zigarre wieder. Das macht die Vermählung glaubwürdiger, als wenn einem alle paar Züge demonstrativ „Whiskey“ ins Gesicht gerufen würde.

Im zweiten Drittel verschiebt sich der Schwerpunkt. Jetzt kommt eine Karamellcreme ins Spiel, die an Crème brûlée erinnert. Allerdings ist diese Süße nicht besonders üppig oder klebrig. Sie besitzt vielmehr eine herbe Komponente und bleibt dadurch auf der würzigen Seite. Das ist ein wichtiger Punkt, denn gerade bei aromatisierten Zigarren besteht immer die Gefahr, dass Süße und künstliche Aromatik den Tabak überfahren. Das passiert hier nicht. Die Karamellnote ist deutlich, aber sie bleibt eingebettet in das übrige Aromengerüst. Ab etwa der Hälfte wird das Karamell etwas dominanter und bekommt Gesellschaft von sanften Schokoladennoten.

Gerade die Schokolade sorgt für einen kurzen, aber interessanten Kontrast. Sie erscheint nicht mit voller Wucht, sondern schiebt sich eher beiläufig in das Profil. Lange hält sie sich allerdings nicht. Kaum hat man sich an die schokoladige Ergänzung gewöhnt, zieht sie sich schon wieder zurück. Das ist vielleicht nicht die größte Aromenentwicklung der Zigarrengeschichte, passt aber zum Charakter dieser Toro. Sie verändert ihr Profil nicht in dramatischen Sprüngen, sondern verschiebt die Gewichtung einzelner Komponenten immer wieder ein Stück.

Hier zeigt sich auch die eigentliche Stärke der Bourbon Collection. Sie ist keine Zigarre, die ausschließlich über das Bourbon-Aroma funktionieren möchte. Würde man dieses herausnehmen, bliebe immer noch ein ordentliches Fundament aus Holz, Leder, Getreide, Kaffee, Erde, Nüssen und Schokolade. Der Bourbon ergänzt dieses Fundament und sorgt für eine zusätzliche aromatische Ebene. Besonders spannend ist dabei die Verbindung von Getreide und Holz. Roggenartige Noten treffen auf Zedernholz und später auf eine deutlicher werdende Würze. Das erinnert tatsächlich an die sensorische Welt eines Whiskeys, ohne die Zigarre zu einem bloßen Begleiter für ein Glas Bourbon zu degradieren.

Mit zunehmender Rauchdauer wird die Zigarre würziger und trockener. Im letzten Drittel treten die holzigen und getreidigen Aromen wieder deutlicher hervor. Die zuvor etwas cremigere und karamelligere Phase ist vorbei. Jetzt wird es kerniger. Die Süße zieht sich zurück, während Holz, Getreide und eine angenehme Schärfe stärker in den Vordergrund rücken. Auch hier funktioniert die Bourbon-Assoziation weiterhin gut, denn genau diese Kombination aus Eiche, Getreide und Würze bildet eine Art aromatische Klammer, die sich vom ersten Kaltgeruch bis zum Finale durch die Zigarre zieht.

Das letzte Drittel ist damit weniger verspielt als die Mitte. Es wirkt trockener, würziger und etwas kräftiger. Erde und Nussigkeit können sich ebenfalls stärker bemerkbar machen, während die Schokolade endgültig verschwunden ist. Das ist kein Nachteil. Vielmehr bekommt die Zigarre dadurch einen konsequenten Abschluss. Sie endet nicht mit einer klebrigen Süße, sondern kehrt zu den kräftigeren Grundelementen zurück. Erde, Holz und Getreide bestimmen das Finale und werden von einer angenehmen Schärfe begleitet. Wer bis hierhin geraucht hat, bekommt also keinen völlig neuen Charakter präsentiert, sondern eine konsequente Weiterentwicklung des bisherigen Profils.

Bei der Rauchentwicklung spielt die Toro ihre Trumpfkarte ohnehin während der gesamten Rauchdauer aus. Die Menge ist beeindruckend, die Textur cremig und satt. Das sorgt dafür, dass sich die Aromen sehr präsent anfühlen. Gerade bei den Bourbon-beeinflussten Noten ist das von Vorteil. Die Kombination aus Rauchvolumen und vergleichsweise geringem Zugwiderstand macht die Zigarre allerdings auch zu einer, die man nicht unbedingt hektisch rauchen sollte. Wer zu schnell zieht, dürfte sie relativ problemlos überhitzen. Ein ruhiger Rhythmus ist hier die bessere Wahl, damit Holz, Getreide, Karamell und Würze sauber voneinander unterscheidbar bleiben.

Funktioniert die Melange?

Was bleibt also von der Vermählung von Whiskey und Tabak? Vor allem der Eindruck, dass die Idee besser funktioniert, als man bei einer solchen Kombination vielleicht zunächst erwarten würde. Der Bourbon ist präsent, aber nicht penetrant. Er liefert Aromen, die sich mit dem Tabakprofil sinnvoll überschneiden: Eiche, Vanille, Karamell, Getreide und Würze. Dadurch entsteht kein künstlich aufgesetzter Whiskeygeschmack, sondern ein eigenständiges Aromenspiel. Die Zigarre erinnert an Bourbon, ohne tatsächlich den Eindruck zu erwecken, man würde an einem Whiskeylolli ziehen.

Die Gurkha Special Edition Bourbon Collection Toro Natural Glastube ist deshalb eine spannende Zigarre für all jene, die beim Smoke gerne etwas ausprobieren. Sie verlangt keine permanente Analyse, belohnt aber durchaus die Aufmerksamkeit. Vom ungewöhnlichen Kaltgeruch über den cremig-holzigen Beginn und die Karamell- und Brûlée-Anklänge bis zum würzigen Finale verändert sich das Profil ausreichend, um über die gesamte Rauchdauer interessant zu bleiben. Ihre kleine Schwäche liegt für mich im sehr offenen Zug und in der etwas bröseligen Asche. Beides sind allerdings Punkte, die den Genuss nicht ernsthaft beeinträchtigen.

Wer die Zigarre für immerhin 15 Euro kauft, sollte dabei nicht mit der Erwartung an sie herangehen, einen Bourbon im Tabakformat zu bekommen. Das wäre der falsche Ansatz. Interessanter ist die Frage, was passiert, wenn zwei aromatische Welten miteinander in Kontakt gebracht werden. Genau darauf liefert die Toro eine ziemlich überzeugende Antwort. Der Tabak bleibt Tabak, der Bourbon bleibt Bourbon, aber dazwischen entsteht eine dritte Ebene. Mal zeigt sie sich als Karamell, mal als Getreide, mal als Eiche oder Vanille. Und manchmal ist es einfach dieser schwer zu beschreibende Eindruck, bei dem man denkt: Das erinnert tatsächlich an einen guten Bourbon.

Die Gurkha Special Edition Bourbon Collection Toro Natural Glastube ist eine empfehlenswerte und vor allem spannende Zigarre. Sie verbindet ein ordentliches dominikanisches Tabakfundament mit einer klar erkennbaren Bourbon-Charakteristik und schafft daraus ein abwechslungsreiches Aromenspiel. Sie ist dabei weder übermäßig süß noch wirkt sie übertrieben aromatisiert und lässt dem Tabak genügend Raum. Wer Whiskey und Zigarren gleichermaßen schätzt, findet hier eine interessante Schnittstelle zwischen beiden Genusswelten. Und wer beim Rauchen gerne einmal etwas anderes als die klassische Kombination aus Zigarre und Whiskey im Glas erleben möchte, sollte dieser Toro durchaus eine Chance geben.

Vielen Dank an die GRE Trade GmbH für dieses Verkostungs-Exemplar.

EtwasGenuss wünscht euch
Toto


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