Die Gurkha Ghost Shadow Connecticut klingt nicht nach einem entspannten Nachmittag auf dem Balkon, sondern eher nach einer Begegnung in einem alten Herrenhaus, bei der plötzlich eine Tür zufällt, eine Kerze flackert und irgendwo aus dem Nichts ein leises „Verlasst diesen Ort!“ ertönt. Man erwartet etwas Düsteres, etwas Geheimnisvolles, vielleicht sogar einen kleinen Nikotinschock aus dem Jenseits. Stattdessen erscheint die Ghost Shadow Connecticut, die ich hier als Robusto verkosten durfte, eher wie ein höflicher Geist mit guten Manieren. Einer, der vorher anklopft. Aber immer schön der Reihe nach …
Zedernholz und Erde statt Kellermuff
Schon der Kaltgeruch schlägt eine andere Richtung ein als der Name zunächst vermuten lässt. Gegerbtes Leder steigt in die Nase. Das wirkt angenehm erwachsen und erinnert eher an alte Ledersessel und Bücherregale als an dunkle Gewölbekeller. Nach dem Anschneiden setzt sich dieser Eindruck fort. Im Kaltzug kommen Erde, Leder und vor allem Zedernholz hinzu. Letzteres übernimmt direkt eine ziemlich prägende Rolle.
Unter ihrem Ecuador-Connecticut-Deckblatt verbirgt die Gurkha eine Mischung aus mexikanischem Umblatt und Einlagetabaken aus Nicaragua, der Dominikanischen Republik und den USA. Ein durchaus internationales Aufgebot, das sich allerdings nicht so aufregend präsentiert, wie man(n) meinen könnte.
Nach dem Anzünden zeigt die Ghost schnell, wohin die Reise geht. Sie startet ausgesprochen mild und bereits cremig. Das Zedernholz bleibt präsent und bildet das Fundament. Wer auf kräftige Pfefferattacken oder spontane Geschmacksexplosionen wartet, sitzt vermutlich noch eine Weile da und schaut sich suchend um. Ein winziger, fast geisterhafter Hauch weißer Pfeffer ist zwar vorhanden, hält sich aber sehr dezent im Hintergrund. Noch im ersten Drittel muss der Abbrand einmal korrigiert werden. Das war allerdings keine dramatische Angelegenheit, denn nach der Korrektur spukte die Ghost nicht mehr herum, sondern brannte zuverlässig ab wie eine Kerze im Marmorsaal.
Hui Buh oder Poltergeist?
Das zweite Drittel bringt wieder Zedernholz, dazu sanfte Nussnoten und etwas Erde. Die Ghost bleibt ihrer Linie treu und versucht gar nicht erst, sich plötzlich neu zu erfinden. Manche Zigarren wechseln ihre Persönlichkeit im Verlauf mehrmals. Die Ghost gehört nicht dazu. Sie bleibt angenehm konstant und wirkt dabei ziemlich entspannt, ,eher Hui Buh als Poltergeist. Der Zugwiderstand liegt ungefähr bei fünfzig Prozent und ist damit genau in einem Bereich, der angenehm wirkt. 
Im letzten Drittel legt die Gurkha dann noch etwas zu. Die Cremigkeit nimmt spürbar zu und leichte Milchkaffee-Noten kommen hinzu. Das Zedernholz bleibt erhalten, zieht sich aber etwas zurück. Geschmacklich tauchte hier auch eine leicht pappeartige Note auf. Nun klingt „Pappe“ zunächst ungefähr so attraktiv wie ein kulinarischer Hinweis auf Tapetenkleister. Gemeint ist aber eher diese trockene, leicht holzige Charakteristik, die sich gelegentlich in milden Zigarren zeigen kann und sich hier unauffällig in das Gesamtbild einfügt.
Das sanfte Gespenst
Nach etwa 50 Minuten endet die Begegnung dann wieder. Kein Aufheulen, kein Zetern, der Geist hat erfüllt, was er versprochen hat.
Und genau das macht die Gurkha Ghost Shadow Connecticut durchaus sympathisch. Für 9,50 Euro bekommt man hier einen unaufgeregt aufregenden Daily Smoke. Auch wenn der Preis für einen Daily etwas ambitioniert wirkt. Aber die Konstruktion stimmt bei der Ghost: Ein feinadriges Deckblatt, ein fantastischer Zugwiderstand und ein feines, fast schemenhaftes Geschmackserlebnis.
Der Name Ghost Shadow verspricht zunächst eine Erscheinung aus dem Zigarrenjenseits. Tatsächlich bekommt man eher einen stillen Begleiter für knapp eine Stunde. Einen Geist, der nicht nachts durch Flure schwebt, sondern vermutlich eher in einem Ledersessel sitzt und sich denkt: Heute machen wir einfach mal nichts Aufregendes. Gut so!
Vielen Dank an die GRE Trade GmbH für dieses Verskostungs-Exemplar.
EtwasGenuss wünscht euch
Toto



