Die Zigarrenwelt ist manchmal ein bisschen wie die Modebranche: Jedes Jahr kommen neue Formate, neue Blends und neue Designs auf den Markt. Nicht alle davon sind automatisch Volltreffer. Aber hin und wieder taucht eine Zigarre auf, bei der man schon beim ersten Blick denkt: Wenn sie so schmeckt, wie sie ausschaut, aber hallo!“ Genau so ging es mir mit der CigarKings Wide White. Drei Jahre Entwicklungszeit stecken in dieser Vitola der Nicaragua-Serie, und das merkt man bereits, bevor überhaupt Feuer ins Spiel kommt.
Der erste Eindruck ist nämlich… sagen wir mal: stilbewusst. Das elegante All-White-Design der Serie trifft auf ein wunderschön dunkles H-2000 Colorado Maduro Deckblatt aus Jalapa. Weiß und dunkelbraun, das sieht ein bisschen aus wie ein perfekt abgestimmter Espresso mit Milchschaum. Oder wie ein Smoking mit weißem Einstecktuch. Das Deckblatt selbst ist leicht ölig, makellos verarbeitet und lädt förmlich dazu ein, es noch einmal kurz zu bewundern, bevor man zur Tat schreitet. Die Einlage aus Viso und Seco Tabaken aus Estelí, wir kombiniert mit zwei geheimen Umblättern. Mysteriös.
Handwerk auf höchstem Niveau
Gerollt ist die Wide White im Montesco-Format (5 x 55). Ein Format, das kompakt genug für einen entspannten Abend ist und voluminös genug, um dem Blend ordentlich Raum zur Entfaltung zu geben. Dann der „Fühl-Test“: Die Zigarre fühlt sich gleichmäßig und satt an. Keine weichen Stellen, keine Verdächtigkeiten.
Gefertigt wird die Wide White im traditionellen Entubado-Stil. Klingt erstmal nach einer Tapas-Bar in Madrid, ist aber tatsächlich eine besonders aufwendige Rolltechnik. Dabei werden die einzelnen Einlagetabake zu kleinen Röhren gerollt, bevor sie ins Umblatt kommen. Diese Technik sorgt dafür, dass mehrere kleine Rauchkanäle entstehen. Das Ergebnis: besserer Zug, gleichmäßigerer Abbrand und ein Rauchvolumen, das so manchen Kaminofen neidisch machen könnte. Und genau so kommt es auch …
Das Entzünden der Wide White verläuft völlig unkompliziert. Die Zigarre nimmt das Feuer willig an, als hätte sie nur darauf gewartet, endlich loslegen zu dürfen. Schon die ersten Züge zeigen: Der Zugwiderstand ist nahezu perfekt. Nicht zu leicht, nicht zu fest, genau diese goldene Mitte, die Aficionados so schätzen. Und das Rauchvolumen? Sagen wir es so: Wer gerne dichte, cremige Rauchwolken produziert, wird hier sehr glücklich werden.
Besonders erfreulich: Während des gesamten Smokes musste kein einziges Mal korrigiert werden. Kein Schiefbrand, kein Nachzünden, keine dramatischen Rettungsaktionen mit dem Feuerzeug. Die Zigarre brennt ruhig, langsam und absolut souverän ab. Die Asche ist mittelstabil bis stabil und bildet einen schönen, hellgrauen Aschestand. Was für ein herrlich entspannter Smoke!
Apropos entspannt: Die Wide White nimmt sich Zeit. Bis zu 90 Minuten Rauchdauer sind hier locker drin, und das fühlt sich auch genau so an. Keine Hektik, kein Stress. Eher ein Smoke, bei dem man plötzlich merkt, dass das Getränk neben einem längst leer ist und man schon viel länger auf der Terrasse sitzt, als ursprünglich geplant.
Der Spaß beginnt
Aromatisch startet die Zigarre im ersten Drittel angenehm klassisch. Dominierend sind zunächst Holzaromen, allerdings die von der angenehmen Sorte. Warm, leicht würzig und keineswegs trocken. Dazu gesellen sich schöne Toastnoten, die dem Smoke eine röstige Tiefe verleihen. Besonders spannend wird es durch eine deutliche Note dunkler Zartbitterschokolade. Nicht süß wie eine Dessertschokolade, sondern eher elegant und leicht bitter. Begleitet wird das Ganze dennoch von einer subtilen Süße im Hintergrund, die dem Profil eine cremige Balance gibt. Diese Zigarre hat Struktur und sie „überfährt“ niemanden.
Im zweiten Drittel verändert sich das Aromenspiel langsam. Die Toastnoten treten ein wenig zurück, während sich eine angenehm mittelkräftige Charakteristik entwickelt. Gleichzeitig kommen neue Nuancen dazu: feine Nussaromen, die dem Smoke zusätzliche Tiefe verleihen. Die Süße bleibt erhalten, bleibt aber weiterhin dezent im Hintergrund. Sie wirkt eher wie ein verbindendes Element zwischen den verschiedenen Aroma-Szenarien. Insgesamt zeigt sich hier die größte Stärke der Wide White: ihre Balance. Kein Aroma versucht, die Hauptrolle zu übernehmen. Stattdessen spielt alles harmonisch zusammen.
Das vollmundige Finale
Im letzten Drittel legt die Zigarre noch einmal eine Schippe drauf. Der Smoke wird deutlich vollmundiger, ohne jemals scharf oder unangenehm zu werden. Die Holzaromen bleiben als solides Fundament erhalten, während die Toastnoten leicht zurückkehren. Besonders interessant ist die Entwicklung der Nussaromen. Sie verschieben sich langsam in Richtung Salzkaramell, was dem Finale eine überraschend spannende Note verleiht. Dieser Moment gehört zu den schönen Zigarrenmomenten: Man zieht etwas langsamer, lehnt sich ein bisschen zurück und denkt sich: „Ja, genau aus diesem Grund rauche ich Zigarren.“
Bleibt noch der Preis. Mit 14,80 Euro pro Stück ist die Wide White sicherlich kein Schnäppchen. Aber ehrlich gesagt: Für diese Qualität wirkt der Preis fast schon erstaunlich fair. Verarbeitung, Zug, Rauchvolumen und Aromatik spielen auf einem Niveau, das man oft erst in deutlich höheren Preisregionen findet.
Die CigarKings Wide White eine Zigarre, die genau das liefert, was man sich von einem guten Smoke erhofft: hervorragende Verarbeitung, ein spannendes und harmonisches Aromenspiel und jede Menge Rauchvergnügen. Eine Zigarre, die alle Aficionados begeistern und glücklich machen dürfte.
Etwas(mehr)Genuss wünscht euch
Toto



