Don Pepin E.R.H. Robusto – Rückkehr zum Ursprung mit einigen Schönheitsfehlern

Don Pepin E.R.H. Robusto – Rückkehr zum Ursprung mit einigen Schönheitsfehlern

Die Don Pepin E.R.H. ist keine Zigarre, die einfach nur neu auf den Markt kommt. Sie bringt Geschichte mit. Und zwar die Art von Geschichte, die nach kubanischem Tabak riecht, nach Improvisation, nach Neuanfang. Die drei Buchstaben stehen für „El Rey de los Habanos“, jene kleine Fabrik in Miamis Calle Ocho, in der José „Don Pepin“ Garcia nach seiner Emigration den Grundstein für das legte, was später zu My Father Cigars werden sollte. Heute ein globaler Name, damals ein Familienbetrieb mit überschaubaren Mitteln und umso mehr Leidenschaft. Die E.R.H.-Serie greift genau diesen Ursprung wieder auf. Keine Retro-Nummer, sondern ein bewusst gewählter Neuanfang. Man weiß schließlich, wo man herkommt.

Die Neuauflage kombiniert diese Historie mit einem modernen Blend. Ein Sumatra Rosado Oscuro Deckblatt aus Ecuador trifft auf nicaraguanische Einlage aus Condega, Estelí und Jalapa. Das liest sich wie das Who’s Who der nicaraguanischen Tabakregionen und verspricht ein entsprechend druckvolles Profil. In der Theorie also alles angerichtet für eine Zigarre mit Tiefe, Würze und dieser typischen Don-Pepin-Handschrift, die gerne mal mit ordentlich Pfeffer auf sich aufmerksam macht.

Ein holpriger Start

In der Praxis beginnt die Reise allerdings etwas holprig. Der Straight Cut gerät zur ersten Bewährungsprobe. Der Deckblattkopf verabschiedet sich nicht ganz freiwillig und zeigt direkt Schwächen. Ein kurzer Eingriff mit etwas Kleber bringt die Situation wieder unter Kontrolle, aber das Vertrauen ist angekratzt. Das ist kein optimaler Auftakt für eine Zigarre, die sich auf ihre Wurzeln beruft. Handwerk war schließlich immer Teil dieser Geschichte.

Die Feuerannahme verläuft dann erfreulich unkompliziert. Schnell zeigt sich ein sehr offener Zug, der sich durch den gesamten Rauchverlauf zieht. Rund 40 Prozent Widerstand, wenn überhaupt. Das sorgt für ein extrem leichtes Zugverhalten und ein Rauchvolumen, das man eher aus einem Maschinenraum kennt. Die E.R.H. dampft wie eine alte Dampflok, man denkt unweigerlich an eine Baureihe 52, die sich schwerfällig, aber eindrucksvoll durch die Landschaft schiebt.

Im ersten Drittel liefert die Robusto das, was man erwartet. Erde, Zedernholz, eine solide Basis. Kein Feuerwerk, aber ein sauberer Einstieg. Die Aromen wirken klar getrennt, nichts verschwimmt, alles bleibt gut nachvollziehbar. Im zweiten Drittel gewinnt die Zigarre an Profil. Gerösteter Kaffee tritt in den Vordergrund, das Zedernholz zieht sich etwas zurück. Die Aromatik wird runder, dichter, ohne ihre nicaraguanische Würze zu verlieren. Hier zeigt die E.R.H., was sie eigentlich kann. Das Zusammenspiel funktioniert, die Balance stimmt. Auffällig bleibt das Rauchvolumen. Jeder Zug produziert dichte, voluminöse Wolken, die sich lange in der Luft halten.

Die Rückkehr des Don Pepin-Punches

Im letzten Drittel wird es wieder kantiger. Pfeffer kehrt zurück, begleitet von würzigen Noten, die an Piment und Cumin erinnern. Der Kaffee bleibt präsent, entwickelt aber eine leicht bittere Espresso-Note. Das passt ins Gesamtbild, ohne zu dominieren. Interessant ist, dass die oft beschriebene Nikotinwucht hier ausbleibt. Die E.R.H. ist kräftig, keine Frage, aber kein Knockout. Wer Don Pepin kennt, weiß, dass es im Portfolio deutlich kompromisslosere Vertreter gibt.

Weniger überzeugend ist die Performance des Deckblatts. Schon vor dem Entfernen der Bauchbinde zeigen sich erste Risse. Das Abnehmen der Anilla verschärft das Problem deutlich. Das Deckblatt reagiert empfindlich, reißt weiter auf und das hinterlässt einen faden Beigeschmack. Gerade bei einer Zigarre, die sich so stark über ihre Herkunft und ihr handwerkliches Erbe definiert, ist das ein Punkt, der ins Gewicht fällt.

Was bleibt?

Preislich liegt die Robusto bei 12,90 Euro. Das ist kein Impulskauf, aber noch im vertretbaren Rahmen für das Gebotene. Geschmacklich liefert die E.R.H. solide ab, mit klaren Stärken im Mittelteil und einem insgesamt stimmigen Aromaprofil. Die Verarbeitung hingegen bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Unterm Strich ist die Don Pepin E.R.H. Robusto eine Zigarre mit Charakter und Geschichte, die man schmecken kann. Sie zeigt, wo die Reise der Familie Garcia begonnen hat und wie viel davon heute noch im Blend steckt. Gleichzeitig offenbart sie Schwächen, die man in dieser Preisklasse nicht ganz ignorieren kann. Das Fazit fällt deshalb differenziert aus. Geschmacklich überzeugend genug, um neugierig zu machen. Handwerklich mit Luft nach oben. Kategorie: Gib ihr eine zweite Chance.

Vielen Dank an Kopp Tobaccos für das Verkostungs-Exemplar.

EtwasGenuss wünscht euch
Toto


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