Die Kristoff Original Maduro Matador liegt satt auf dem Lounge-Tisch vor mir und strahlt mich mit unterschiedlichen Braun-Nuancen des mamrmorierten Deckblatts freudestrahlend an. Das Format „Matador“ misst stattliche 6,5 x 56 und bringt damit genügend Masse mit, um einen langen Abend zuverlässig zu begleiten. Kein schneller Espresso-Smoke für zwischendurch, sondern eher der Typ „Ich bin dann mal beschäftigt“. Offiziell setzt die Mischung auf ein brasilianisches Maduro-Deckblatt, ein dominikanisches Umblatt sowie Einlagetabake aus der Dominikanischen Republik und Nicaragua. Klingt nach internationaler Zusammenarbeit mit erfreulichem Ausgang.
Ich muss noch einmal bei der Optik verharren. Das dunkle Deckblatt macht was her: es wirkt ölig, feinadrig und ist alles andere als eine schüchterne Erscheinung.Die bekannte textil anmutende Bauchbinde unterstreicht den rustikal-eleganten Stil, den Kristoff seit Jahren pflegt. Das Kopfende ist unbeschnitten, während der Fuß von einem Schweineschwänzchen (Pigtail) geziert wird. Verarbeitungstechnisch gab es hier nichts zu meckern. Sauber gerollt, gleichmäßig gefüllt, wertiger Eindruck. So muss das.
Optisch und olfaktorisch spannend
Dann der Kaltgeruch. Und hier wird es interessant. Wer beispielsweise langweilige Heunoten und etwas Zedernholz erwartet, wird überrascht. Diese Kristoff steigt mit bemerkenswerter Intensität aus der Ecke. Würzige Anklänge, eine erdige Tiefe und trockene Zartbitternoten steigen in die Nase.
Das Anzünden funktioniert trotz des geschlossenen Fußes reibungslos, die Feuerannahme gestaltet sich einwandfrei. Manche schimpfen darüber, andere feiern es. Ich gehöre zur zweiten Gruppe. Erstens sieht es markant aus, zweitens steigert es die Spannung. Ein bisschen wie das Öffnen einer Weinflasche mit Naturkorken: Wenn es zu schnell geht, fehlt etwas Ritual.
Die ersten Züge starten zurückhaltend. Wenig Rauch, milde Tabakwürze, eine vorsichtige Annäherung. Dann kommt ein hauch Kakao ins Spiel. Nicht süßer Schokoriegel-Kakao, sondern dieser kräftige, dunkle Pulver-Kakao. Dazu eine leicht trockene Textur im Mund, die dennoch Lust auf mehr macht. Sehr angenehm. Wer Maduro automatisch mit klebriger Süße verbindet, wird hier umdenken müssen.
Der Zugwiderstand ist sehr gut, fast ein wenig locker. Das Rauchvolumen ist angenehm und wird im weiteren Verlauf deutlich satter, fast cremig. Dazu bildet sich eine feste, ansehnliche Asche, die länger hält, als man vernünftigerweise riskieren sollte. Natürlich riskiert man es trotzdem. Und was soll ich sagen? Es ist gut gegangen! Retronasal bleibt die Matador überraschend sanft. Wenn man das auf einer willkürlich charmanten Skala bewertet, landet sie ungefähr bei 4 von 10. Also weit entfernt von Pfefferattacken oder Nasenhaarvernichtung. Gerade für Genießer, die gerne über die Nase arbeiten, aber keine masochistischen Anwandlungen verspüren, ist das ein Pluspunkt.
Mehr Creme, mehr Tiefe
Im zweiten Drittel wird die Zigarre etwas verspielter. Die anfängliche Zurückhaltung weicht einer cremigeren Tabakbasis. Nussige Töne treten hervor, dazu Holz, etwas trockener Kakao und eine angenehme natürliche Wärme. Weniger Süße, mehr Substanz. Wenn das erste Drittel das höfliche Kennenlernen war, befinden wir uns jetzt mitten in der Konversation. Technisch bleibt sie stabil. Einmal musste kurz nachgefeuert werden, was bei diesem Format kein Drama ist. Ansonsten sauberer Abbrand, minimale Korrekturen, sehr verlässliche Performance. Genau das wünscht man sich bei einer Zigarre dieser Größe: keine Baustelle, sondern Begleitung.
Im letzten Drittel gewinnt sie nochmals etwas Tiefe, ohne je aggressiv zu werden. Erde, Holz, dunkler Kakao und ein kerniger Tabakcharakter tragen das Finale. Dazu etwas Muskat. Keine wilde Achterbahnfahrt, aber ein souveräner Ausklang mit echt breiten Schultern. Zwar ist die Kristoff Original Maduro Matador keine Zigarre für Aromen-Actionjunkies, die alle fünf Minuten Mango, Currywurst und gesalzenes Karamell suchen. Aber sie bietet ehrliche Maduro-Aromen und überzeugt durch Stimmigkeit, handwerkliche Stärke und Charakter. Eine Maduro für Menschen, die nicht ständig überrascht werden müssen, um zufrieden zu sein und den ausdauernden Rauchgenuss mögen. Bei mir hat dieser übrigens rund zwei Stunden angehalten.
Den Preis von 10,50 Euro habe ich als äußerst fair empfunden und kann sie euch guten Gewissens aus den genannten Gründen durchaus weiterempfehlen.
EtwasGenuss wünscht euch
Toto



