Nummer zwei, aber ganz vorne im Geschmack: Diplomáticos No. 2

Nummer zwei, aber ganz vorne im Geschmack: Diplomáticos No. 2

Die Diplomáticos No. 2 gehört zu den Zigarren, die momentan schwer erhältlich sind, aber für Freude sorgen, wenn man sie dann doch mal in Händen halten und genießen kann. Eine Pirámide mit klassischer Silhouette, 156 Millimeter Länge und einem Ringmaß von 52, sauber zulaufend und mit jener Selbstverständlichkeit gerollt, die man von einer etablierten Habanos erwartet. Und doch steckt hinter dieser Zigarre eine Markenhistorie, die weniger nach aristokratischer Tradition klingt als nach einem bewusst gesetzten Kontrapunkt im kubanischen Portfolio der Nachrevolutionszeit.

Die Marke Diplomáticos wurde 1966 ins Leben gerufen, also in einer Phase, in der die kubanische Zigarrenlandschaft bereits vollständig verstaatlicht war und sich neu sortierte. Viele der alten Namen liefen weiter, doch parallel entstanden neue Marken, teilweise mit politischem oder repräsentativem Hintergrund, teilweise mit klarer strategischer Marktlogik. Während Cohiba und Trinidad früh eine Art diplomatische Aushängeschilder wurden, nimmt Diplomáticos eine etwas bodenständigere Rolle ein. Der Name führt gern in die Irre, denn mit exklusiven Staatsgeschenken hatte diese Marke ursprünglich weniger zu tun als vielmehr mit einer Positionierung im Schatten der großen Montecristo.

Sexy kleine Schwester

Genau dort liegt der Schlüssel zum Verständnis. Diplomáticos war von Beginn an als eine Art Schwesterlinie der Montecristo gedacht, mit ähnlicher Formatauswahl, aber zugänglicherem Preisniveau und vermutlich einer stärkeren Ausrichtung auf bestimmte Exportmärkte, häufig wird Frankreich genannt. Das ursprüngliche Portfolio bestand aus fünf nummerierten Formaten, eine bewusste strukturelle Nähe zur Montecristo-Linie, bei der ebenfalls Nummern statt poetischer Formbezeichnungen verwendet wurden. Diese Nomenklatur wirkt heute fast archaisch klar und zugleich charmant funktional.

Später wurde das Sortiment kurzzeitig erweitert. Mitte der 1970er kamen zwei weitere Formate hinzu, die sich direkt an bekannten Montecristo-Formaten orientierten. Doch diese Erweiterung blieb ein historisches Intermezzo. Schon nach wenigen Jahren verschwanden die No. 6 und No. 7 wieder aus der Produktion, was die Marke langfristig auf einen deutlich reduzierten Kern zurückführte. Der Prozess der Verdichtung setzte sich über die Jahrzehnte fort, bis schließlich nur noch ein einziges Format übrig blieb, die Diplomáticos No. 2. Heutzutage sind neben der No. 2 auch ab und an die Diplomaticos Grandes ER 2021 sowie die Diplomáticos Cancilleres erhältlich.

Im Rauchbild zeigt sich die No. 2 typischerweise als mittelkräftig bis mild, mit einer Aromatik, die sich sauber staffelt, ohne je zu überfrachten. Holzige Noten bilden oft das Grundgerüst, begleitet von Kaffeeanklängen, etwas frisch gebackenem Brot und einer leichten Nussigkeit im Hintergrund. Diese Mischung wirkt weniger opulent als vielmehr ausbalanciert, fast kontrolliert. Gerade diese Kontrolle ist es, die der Zigarre ihren Ruf als zugängliche, aber keineswegs langweilige Habanos eingebracht hat.

Endlich eine Kubanerin, die funktioniert

Die Konstruktion verdient dabei besondere Erwähnung. Der Zug ist in der Praxis häufig erstaunlich gut für eine aktuelle Kubanerin dieser Bauart, der Abbrand zeigt sich stabil und vergleichsweise unkompliziert. In der täglichen Realität vieler Zigarrenliebhaber ist genau das kein Nebenschauplatz, sondern ein entscheidender Qualitätsfaktor. Die No. 2 liefert hier ein Bild, das man eher bei moderneren Rollungen erwarten würde als bei einer klassischen kubanischen Pirámide. In der Praxis bedeutet das ein ruhiger Rauchverlauf ohne ständige Korrekturen, was den Gesamteindruck spürbar entspannt.

Die Rauchdauer bewegt sich je nach Zugverhalten und Schnitt zwischen einer guten Stunde und deutlich darüber, bei mir waren es knappe zwei Stunden, in denen ich sie genießen durfte.

Es bleibt letztlich der Eindruck einer Zigarre, die sich über Jahrzehnte still behauptet hat, ohne große Inszenierung, aber mit konstantem Charakter. Sie ist keine imposante Erscheinung, kein demonstratives Prestigeobjekt, sondern eher ein verlässlicher Vertreter klassischer kubanischer Handwerkskunst in einem etwas entschleunigten Ausdruck.

EtwasGenuss wünscht euch
Toto


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