Principle Cigars Accomplice Maduro: Dunkel im Aussehen und im Geschmack

Principle Cigars Accomplice Maduro: Dunkel im Aussehen und im Geschmack

Bei einer Maduro darf es gerne etwas dunkler werden. Die Principle Cigars Accomplice Maduro Toro macht da keine Ausnahme. Das Deckblatt aus mexikanischem San Andrés (lt. Principle Cigars – andere Quellen behaupten, es sei ein brasilianisches Arapiraca – ist optisch schon einmal eine klare Ansage und auch aromatisch schlägt die Toro eher die dunklere Richtung ein. Erde, Kakao, Röstaromen und eine angenehme Würze stehen auf dem Programm. Allerdings ohne daraus eine übertriebene Kraftmeierei zu machen. Aber der Reihe nach …

Die Accomplice Maduro Toro bringt mit 15,24 Zentimetern Länge und einem Durchmesser von 2,06 Zentimetern ordentlich „Masse“ mit. Für rund 70 bis 80 Minuten sollte man also etwas Zeit einplanen. Wer nach zehn Minuten schon wieder aufspringen muss, hat sich entweder die falsche Zigarre ausgesucht oder hat einfach einen ausgesprochen unentspannten Feierabend.

Unterschiedliche Quellen zu Deckblatt, Umblatt und Einlage

Der Blend setzt auf ein mexikanisches San-Andrés-Deckblatt, ein Umblatt aus Nicaragua sowie eine Einlage aus dominikanischen und nicaraguanischen Tabaken. Auch hier behaupten andere Quellen, es handele sich um rein dominikanische Umblätter und Einlagetabake. Ich vertraue diesbezüglich einfach mal den offiziellen Infos von Principle. Produziert wird die Zigarre bei Casa Carrillo in der Dominikanischen Republik. Auf dem Papier klingt das zunächst nach einer klassischen Konstruktion für ein kräftigeres Maduro-Profil. Im Rauchverlauf zeigt die Accomplice allerdings recht schnell, dass sie nicht einfach nur möglichst dunkel und möglichst kräftig ist.

Schon der Kaltzug deutet die Richtung an. Erde und Kakao stehen im Vordergrund, dazu kommt eine gewisse Röstigkeit. Viel mehr muss man an dieser Stelle eigentlich auch gar nicht wissen. Der erste Zug liefert dann allerdings eine kleine Überraschung, denn die Accomplice Maduro startet keineswegs schwerfällig. Stattdessen bringt sie eine angenehme Süße und eine leicht säuerliche Note mit. Gerade diese Kombination macht den Auftakt ziemlich interessant. Das funktioniert ausgesprochen gut. Die dunkle Optik lässt zunächst eine deutlich brachialere Vorstellung erwarten. Tatsächlich ist die Zigarre aber zunächst erstaunlich lebendig.

Nach und nach kommen dunklere Aromen hinzu. Erde bildet das Fundament, darüber legt sich Kakao. Dann tauchen immer wieder Röstnoten auf, die ziemlich eindeutig in Richtung Espresso gehen. Nicht der Espresso nach einer durchfeierten Nacht, den man sich morgens intravenös zuführen möchte, sondern eine angenehm herbe Kaffeearomatik, die dem Blend Tiefe gibt.

Was mir dabei besonders gefällt, ist die Rauchtextur. Die Accomplice Maduro entwickelt ordentlich Rauch und dieser wirkt ausgesprochen dicht und cremig. Das macht einen spürbaren Teil ihres Charakters aus. Die Aromen sind nicht einfach nur da, sie bleiben eine Weile am Gaumen stehen. Das kann bei dunklen Maduros schnell auch mal anstrengend werden kann. Hier funktioniert es aber erstaunlich gut.

Im weiteren Verlauf verändert sich das Aromenspiel, ohne dass die Zigarre plötzlich versucht, ein komplett neues Programm auf die Bühne zu bringen. Zu Erde, Kakao und Röstnoten gesellen sich dezente Fruchtnuancen. Die sind allerdings weit davon entfernt, aus der Toro eine Obsttheke beim örtlichen Edeka zu machen. Es handelt sich eher um eine reife, leicht lebendige Note im Hintergrund. Gerade genug, um das dunkle Profil etwas aufzulockern.

Auch die Würze wird mit zunehmender Rauchdauer deutlicher. Backgewürze kommen ins Spiel und sorgen für zusätzliche Spannung. Dabei bleibt die Schärfe angenehm zurückhaltend.

Von dunkel zu dunkler

Im zweiten Drittel wird die Zigarre etwas satter. Erde und Kakao rücken weiter nach vorne, während auch der Espresso-Eindruck immer wieder auftaucht. Dazu bleibt diese angenehme Grundsüße erhalten. Das sorgt dafür, dass die verschiedenen Komponenten nicht gegeneinander arbeiten. Genau hier zeigt sich meines Erachtens die eigentliche Qualität des Blends. Er ist dunkel und aromatisch, aber nicht eindimensional.

Bei der Stärke bleibt die Accomplice Maduro ebenfalls vergleichsweise manierlich. Principle Cigars bezeichnet sie als die kräftigste Zigarre der eigenen Range. Das würde ich allerdings etwas relativieren. Sie ist definitiv keine zarte Frühstückszigarre und bringt ordentlich Nikotin und Aroma mit. Von einer Maduro-Vollstreckung mit anschließendem Kreislaufprotokoll ist sie aber ein gutes Stück entfernt. Die Stärke bewegt sich für mich im mittleren bis oberen Bereich.

Viel von ihrer Präsenz entsteht ohnehin nicht durch Nikotin, sondern durch die Aromatik. Der Rauch ist voluminös, cremig und ziemlich geschmacksintensiv. Wer gerne kräftige Aromen raucht, bekommt hier also einiges geboten, ohne dass man nach der Hälfte der Zigarre überlegen muss, ob der eigene Puls noch im vorgesehenen Bereich liegt.

Auch technisch gibt sich die Toro erfreulich unkompliziert. Der Zug passt, die Rauchentwicklung ist üppig und der Abbrand bleibt bei meinem Exemplar weitgehend problemlos. Natürlich kann eine Zigarre immer einmal einen kleinen Ausreißer produzieren, das gehört zum Spiel. Die Accomplice Maduro macht daraus allerdings keine Staatsaffäre.

Mit dem letzten Drittel wird das Profil erwartungsgemäß noch einmal dunkler. Kakao und Erde dominieren, die Röstaromen gewinnen an Intensität und die Würze legt ebenfalls zu. Die Fruchtnoten ziehen sich etwas zurück, dafür betritt eine dezente Bitterkeit die Bühne. Gerade das letzte Drittel gefällt mir trotzdem gut, weil die Zigarre ihren Charakter konsequent weiterführt. Sie wird nicht plötzlich unangenehm aggressiv, sondern verdichtet lediglich das, was sie vorher bereits gezeigt hat. Dunkle Aromen, cremiger Rauch, etwas Süße und eine zunehmende Würze. Das ist kein Blend mit ständigem Überraschungseffekt, sondern einer, der seine Linie kennt.

Interessante Maduro-Vertreterin

Die Accomplice Maduro Toro funktioniert für mich ziemlich gut. Sie ist keine Zigarre, die man unbedingt mit einem Verkostungsbogen und drei verschiedenen Aromarädern bekämpfen muss. Natürlich kann man Erde, Kakao, Espresso, Frucht und Gewürze auseinandernehmen. Man kann aber auch einfach rauchen und feststellen, dass die Mischung schlicht und einfach funktioniert.

Mein Fazit fällt entsprechend positiv aus. Die Principle Cigars Accomplice Maduro Toro liefert ein dunkles, volles und angenehm cremiges Aromaprofil. Dabei bleibt sie kontrolliert und ausgewogen. Ihre Stärke ist vorhanden, drängt sich aber nicht permanent in den Vordergrund. Besonders gelungen finde ich die Entwicklung vom etwas lebhafteren Start hin zum zunehmend dunklen und würzigen Finale.

Wer Maduros grundsätzlich mag und dabei nicht zwingend nach maximaler Stärke sucht, bekommt hier eine interessante Toro. Sie ist aromatisch genug, um Aufmerksamkeit zu verdienen, unkompliziert genug für einen entspannten Abend und charaktervoll genug, dass man sich beim nächsten Mal durchaus noch einmal mit ihr beschäftigen möchte. Für mich eine gelungene Neuinterpretation der Accomplice und ein ziemlich überzeugender Vertreter der dunkleren Abteilung bei Principle Cigars.

EtwasGenuss wünscht euch
Toto


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