Willkommen zurück bei EtwasGenuss!
Heute haben wir wieder eine Neuheit im Test, die auf der diesjährigen InterTabac vorgestellt wurde:
die A.J. Fernandez Amar Robusto.
Bei einer neuen A.J. Fernandez werde ich grundsätzlich hellhörig.
Die Marke ist häufig stark auf den US-amerikanischen Markt ausgerichtet. Entsprechend findet man im Portfolio viele:
- kräftige Zigarren
- würzige Blends
- vollmundige Smokes
Allerdings beweist A.J. Fernandez immer wieder, dass man auch außerhalb dieses Spektrums richtig gute Zigarren produzieren kann.
Die große Frage bei der Amar lautet deshalb:
👉 In welche Richtung geht die Neue?
Preislich landen wir bei erfreulich moderaten:
12,40 €
Und dafür bekommt man ziemlich viel Zigarre.
Obwohl sie offiziell als Robusto bezeichnet wird, fällt sie deutlich länger aus als eine klassische Robusto und nähert sich optisch fast schon einer Toro an.
👉 Für 12,40 € ist das zunächst eine ordentliche Ansage.
Steckbrief
Marke: A.J. Fernandez
Serie: Amar
Format: Robusto
Preis: 12,40 €
Kaufen: Bei CigarWorld
Herkunft: Nicaragua
Besonderheit: ungewöhnlich große Robusto mit rund 90 Minuten Rauchdauer
Die Amar beschäftigt sich in ihrer Gestaltung und Geschichte mit dem Thema Mond. Wer die komplette Geschichte dahinter kennenlernen möchte, findet dazu mehr in unserem InterTabac-Livestream.
Für den Test konzentrieren wir uns auf das Entscheidende:
👉 Wie schmeckt sie?
Tabakmischung
Bei der Amar bekommen wir eine klassische Nicaragua-Puro:
- Deckblatt: Nicaragua
- Umblatt: Nicaragua
- Einlage: Nicaragua
👉 100 % Nicaragua.
Damit bringt die Zigarre zumindest auf dem Papier genau die Voraussetzungen mit, die man von einem kräftigeren A.J.-Fernandez-Smoke erwarten könnte.
Erster Eindruck
Optisch macht die Amar einen sauberen Eindruck.
Das Deckblatt präsentiert sich:
- mittelbraun
- gleichmäßig gefärbt
- mit wenigen kleineren Blattadern
- mit nur leicht sichtbaren Rollnähten
Am Kopf befindet sich vermutlich eine doppelte Kappe.
Der Anschnitt funktioniert problemlos und hinterlässt einen sauberen Zigarrenkopf.
Kaltgeruch
Im Kaltgeruch hält sich die Amar überhaupt nicht zurück.
Aromen:
- altes Holz
- Heu
- kräftiges Leder
- deutliche Scheunen- bzw. Stallnoten
Und „Stall“ ist hier ausdrücklich nicht negativ gemeint.
Diese Kombination aus altem Holz, Heu und Leder kann bei Zigarren ausgesprochen interessant sein.
Bei der Amar ist sie zudem ziemlich intensiv.
👉 Der Kaltgeruch macht direkt klar: Hier kommt vermutlich kein schüchterner Smoke auf uns zu.
Kaltzug
Zugwiderstand: ca. 15–20 %
Damit ist die Amar zunächst sehr offen.
Das muss noch kein Problem darstellen, denn nach dem Anzünden kann sich der Zugwiderstand durchaus verändern.
Aromen:
- altes Holz
- zartes Leder
- Scheunencharakter
Das Leder fällt interessanterweise deutlich milder aus als noch im Kaltgeruch.
Das alte Holz bleibt dagegen ausgesprochen präsent.
👉 Ein deftiger Kaltzug, der ziemlich neugierig auf den Smoke macht.
Rauchverlauf
Erstes Drittel
Nach dem Anzünden bleibt die Amar ziemlich offen.
Konstruktion:
- Zugwiderstand zunächst ca. 30–35 %
- gute bis sehr gute Rauchabgabe
- etwas lockere Asche
- leicht ungleichmäßiger Abbrand
Gerade aufgrund des offenen Zuges sollte die Zigarre bewusst langsam geraucht werden.
Aromatisch startet sie ziemlich eindeutig.
Wir bekommen:
- kräftiges Holz
- Würze
- Pfefferschärfe
- etwas Leder
Das alte Scheunenholz steht zunächst deutlich im Vordergrund.
Dazu baut sich zunehmend eine würzige Pfeffernote auf.
Das Leder ist vorhanden, spielt allerdings zunächst eher eine Nebenrolle.
Weitere Aromen lassen sich kaum finden.
👉 Holz und Würze geben im ersten Drittel klar die Marschrichtung vor.
Im Verlauf nimmt das Leder etwas zu.
Große Veränderungen gibt es allerdings nicht.
Das erste Drittel bleibt ziemlich geradlinig.
Zweites Drittel
Nach rund einer Stunde hat sich der Zugwiderstand etwas verbessert.
Konstruktion:
- Zugwiderstand jetzt ca. 40 %
- sehr gute Rauchabgabe
- weiterhin etwas ungleichmäßiger Abbrand
- einmalige Korrektur des Abbrands notwendig
Aromatisch bleibt die Amar ihrer Linie treu.
Aromen:
- Holz
- Würze
- Pfeffer
- Leder
Die größte Veränderung:
👉 Das Leder nimmt weiter zu.
Mittlerweile bewegt es sich fast auf einem Niveau mit der Holznote.
Und damit ist die Entwicklung im Grunde auch schon beschrieben.
Genau hier hätte ich mir persönlich mehr gewünscht.
Gerade bei einer Zigarre mit einer derart langen Rauchdauer wären zusätzliche Komponenten schön gewesen.
Röstaromen, Kaffee oder vielleicht eine leichte Süße hätten dem Blend einen spannenden Kontrast geben können.
So bleibt die Amar ziemlich linear.
Letztes Drittel
Rauchdauer insgesamt: ca. 90 Minuten
Und das ist für eine offiziell als Robusto bezeichnete Zigarre schon ziemlich ordentlich.
Zum Ende wird der Rauch langsam warm und ich lege sie ab.
Wer mit wärmerem Rauch weniger Probleme hat, dürfte durchaus noch ein paar Minuten mehr herausholen können.
Aromatisch bleibt die Amar ihrer bisherigen Linie treu.
Die wichtigste Veränderung:
👉 Die Würze nimmt noch einmal zu.
Damit bekommen wir weiterhin:
- kräftiges Holz
- Leder
- Pfeffer
- deutliche Würze
Große Überraschungen bleiben aus.
Dafür wird jetzt ein anderer Punkt zunehmend deutlich:
👉 das Nikotin.
Im letzten Drittel schiebt die Amar noch einmal ordentlich.
Die Zigarre ist:
- kräftig
- vollmundig
- würzig
- nikotinstark
Keine schlechte Zigarre – aber definitiv ein Smoke, bei dem man wissen sollte, worauf man sich einlässt.
Punktebewertung (15-Punkte-System)
Konstruktion – 10/15 Punkte (2−)
Positiv:
- gute Rauchabgabe
- gute Brandannahme
- rund 90 Minuten Rauchdauer
- insgesamt problemlos rauchbar
Abzüge gibt es allerdings für:
- sehr offenen Zug
- etwas lockere Asche
- ungleichmäßigen Abbrand
- eine notwendige Abbrandkorrektur
Keiner dieser Punkte ist für sich genommen dramatisch.
In Summe verhindern sie allerdings eine bessere Bewertung.
👉 Eine gute Konstruktion mit einigen kleineren Schwächen.
Deshalb gibt es 10/15 Punkte.
Aromatik – 10/15 Punkte (2−)
Die Amar bietet:
- altes Holz
- Leder
- Würze
- Pfeffer
Diese Kombination funktioniert grundsätzlich.
Die einzelnen Komponenten harmonieren miteinander und der Smoke präsentiert sich schön vollmundig.
Das Problem ist vielmehr:
👉 Es passiert über 90 Minuten zu wenig.
Die Zigarre legt sich relativ früh auf ihren Charakter fest.
Im Rauchverlauf nimmt das Leder zu und zum Ende wird die Würze kräftiger.
Das war es im Wesentlichen.
Gerade bei dieser Rauchdauer hätte ich mir mehr Komplexität gewünscht.
Beispielsweise:
- Röstaromen
- Kaffee
- eine leichte Süße
Nicht jede Zigarre muss hochkomplex sein.
Bei anderthalb Stunden Rauchdauer wäre etwas mehr Abwechslung allerdings schön gewesen.
👉 Deshalb ebenfalls 10/15 Punkte.
Preis-Leistung – 11/15 Punkte (2)
Hier sammelt die Amar wieder einige Punkte.
Für 12,40 € bekommt man:
- ein sehr großes Robusto-Format
- rund 90 Minuten Rauchdauer
- vollmundigen Charakter
- kräftige Aromatik
- viel Zigarre fürs Geld
Wer keine komplexe Zigarre sucht und stattdessen einen geradlinigen, deftigen Smoke möchte, bekommt hier für 12,40 € wirklich einiges geboten.
Für eine noch bessere Bewertung hätten Konstruktion und vor allem Aromatik allerdings etwas stärker ausfallen müssen.
👉 Trotzdem ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Gesamtwertung: 10/15 Punkte – Note 2−
➡️ Kaufempfehlung mit Einschränkung
Die Amar ist vor allem etwas für euch, wenn ihr:
- kräftige Zigarren mögt
- herbe Aromen bevorzugt
- Pfeffer und Würze sucht
- einen vollmundigen Smoke wollt
- mit einer eher geradlinigen Aromatik kein Problem habt
Wer dagegen cremige, süße oder sehr komplexe Zigarren bevorzugt, wird hier wahrscheinlich weniger glücklich.
Zusatzbewertungen (nicht in der Gesamtnote)
Komplexität: 3 / 10
Nikotin: 6 / 10
Intensität: 6 / 10
Fazit
Die A.J. Fernandez Amar Robusto ist im Grunde ziemlich einfach zusammenzufassen:
👉 kräftig, deftig, würzig und sehr geradlinig.
Sie liefert über ihre rund 90 Minuten vor allem:
- altes Holz
- Leder
- Pfeffer
- Würze
Das funktioniert durchaus gut.
Was ihr fehlt, ist für mich allerdings die Entwicklung.
Mit 3/10 Punkten bei der Komplexität passiert über die lange Rauchdauer einfach relativ wenig.
Das Leder nimmt zu.
Die Würze wird zum Ende kräftiger.
Und damit haben wir die größten Veränderungen bereits zusammengefasst.
Beim Nikotin sieht es anders aus.
Hier bekommt die Amar 6/10 Punkte.
Gerade zum Ende macht sich die Stärke deutlich bemerkbar.
👉 Eine vernünftige Mahlzeit vor dem Smoke ist für mich Pflicht.
Ich sehe die Amar deshalb vor allem als Zigarre für den Abend nach einem guten Essen.
Auch bei der Intensität landen wir bei 6/10 Punkten.
Die Aromen sind klar wahrnehmbar, der Smoke ist vollmundig und hinterlässt ein ordentliches Finish.
Damit ist die Amar definitiv keine Zigarre, die sich im Hintergrund versteckt.
Für 12,40 € stimmt das Gesamtpaket trotzdem.
Wer genau diesen geradlinigen, kräftigen A.J.-Fernandez-Stil sucht, bekommt viel Rauchdauer und einen vollmundigen Smoke für sein Geld.
Wer dagegen auf große aromatische Entwicklung und viele unterschiedliche Nuancen aus ist, dürfte innerhalb des A.J.-Fernandez-Portfolios spannendere Alternativen finden.
Unterm Strich:
👉 10/15 Punkte, Note 2− und eine Kaufempfehlung für Freunde kräftiger, herber Smokes.
Bis zum nächsten Smoke – ehrlich, unkompliziert und:
EtwasGenuss.
