Mexikanische Zigarren verbindet man häufig mit kräftigen, erdigen und eher deftigen Aromen. Doch dass mexikanischer Tabak auch ganz anders kann, zeigt die Casa 1910 Cuchillo Parado Corona. Für gerade einmal 8,50 € verspricht die mexikanische Puro einen interessanten Smoke, der nicht nur aromatisch, sondern auch konstruktiv einiges zu bieten hat.
Die Marke Casa 1910 erlebt aktuell einen kleinen Neustart auf dem deutschen Markt. Nachdem die Zigarren zuvor über einen kleineren Importeur erhältlich waren, hat inzwischen VCF Deutschland, Teil der Vandermarliere Family of Cigars, den Vertrieb übernommen.
Casa 1910 selbst ist eine mexikanische Marke, die ihre Herkunft ganz bewusst in den Mittelpunkt stellt. Die Zigarren sollen mexikanische Tradition, Geschichte und Lebensgefühl verkörpern.
Ich habe die Marke bereits vor einigen Jahren auf der InterTabac kennengelernt und war damals vor allem von der Leidenschaft beeindruckt, mit der die Verantwortlichen ihre Produkte präsentieren.
Heute schauen wir uns mit der Cuchillo Parado Corona eine Zigarre an, die vollständig aus mexikanischem Tabak besteht.
Und die hat mich tatsächlich überrascht.
Steckbrief
- Marke: Casa 1910
- Serie: Cuchillo Parado
- Format: Corona
- Preis: 8,50 €
- Kaufen: Bei CigarWorld
- Deckblatt: Mexiko, Sumatra
- Umblatt: Mexiko
- Einlage: Mexiko
- Tabakreifung: drei Jahre
- Rauchdauer: ca. 45 Minuten
Die Cuchillo Parado ist damit eine echte mexikanische Puro.
Neben Tabaken aus der bekannten Anbauregion San Andrés kommt ein ebenfalls in Mexiko angebautes Sumatra-Deckblatt zum Einsatz.
Die verwendeten Tabake wurden vor der Verarbeitung drei Jahre gelagert.
Gerade die Kombination aus mexikanischer Herkunft und Sumatra-Deckblatt macht neugierig auf die Aromatik.
Erster Eindruck
Optisch präsentiert sich die Casa 1910 Cuchillo Parado Corona mit einem leicht rustikalen Erscheinungsbild.
Das Deckblatt besitzt eine etwas gröbere Struktur und zeigt einige erkennbare Blattadern.
Die Rollnähte sind leicht sichtbar, insgesamt wirkt die Verarbeitung allerdings sauber und gleichmäßig.
Auffällig sind:
- leicht rustikales Deckblatt
- einige sichtbare Blattadern
- überwiegend saubere Rollnähte
- großer, rund ausgeformter Zigarrenkopf
- sauber angebrachte Kappe
Gerade die Kappe bietet ausreichend Platz für einen problemlosen Anschnitt.
Trotzdem sollte man bei einem offenen Cutter darauf achten, nicht zu viel vom Zigarrenkopf abzutrennen.
Der Anschnitt gelingt problemlos und die Zigarre bleibt vollständig unbeschädigt.
Kaltgeruch
Beim Kaltgeruch präsentiert sich die Casa 1910 zunächst etwas ungewöhnlich.
Im Vordergrund stehen:
- Gras
- Baumrinde
- eine weitere, schwer einzuordnende Note
Besonders interessant ist die Kombination aus Gras und Baumrinde.
Die zweite Komponente erinnert weder eindeutig an klassische Erde noch an Holz.
Vielmehr ist es tatsächlich der Geruch von Baumrinde, der hier am besten passt.
Dazu kommt eine weitere Note, die sich nicht eindeutig identifizieren lässt.
Insgesamt ein ungewöhnlicher, aber durchaus interessanter Kaltgeruch.
Kaltzug
Zugwiderstand: ca. 25 %
Die Casa 1910 präsentiert sich im Kaltzug relativ offen.
Das ist für mich grundsätzlich kein Problem, denn ein etwas offener Zugwiderstand ist mir deutlich lieber als eine zu fest gerollte Zigarre.
Aromatisch fällt der Kaltzug allerdings ausgesprochen zurückhaltend aus.
Wahrnehmbar ist lediglich:
- leichte Grasigkeit
Weitere Aromen lassen sich kaum erkennen.
Das ist durchaus überraschend.
Eine derart zurückhaltende Aromatik im Kaltzug begegnet mir nicht besonders häufig.
Umso spannender ist die Frage, wie sich die Zigarre nach dem Anzünden entwickelt.
Rauchverlauf
Erstes Drittel
Nach dem Anzünden zeigt die Casa 1910 direkt, dass sie konstruktiv einiges zu bieten hat.
- Zugwiderstand: ca. 40 %
- sehr gute Rauchabgabe
- überwiegend gerader Abbrand
- stabile Asche
Der Zugwiderstand liegt damit in einem ausgesprochen angenehmen Bereich.
Aromatisch überrascht die Zigarre ebenfalls.
Während der Kaltzug kaum Geschmack geliefert hat, präsentiert sich die Corona nun mit einer deutlich wahrnehmbaren Kombination aus:
- Holz
- leichten Röstaromen
- dezenter Süße
- einem Hauch Pfeffer
Die Holznote steht zunächst klar im Vordergrund.
Dazu kommen leichte Röstaromen, die mich an Toastbrot erinnern.
Interessant ist vor allem die damit verbundene Süße.
Diese wirkt angenehm und sorgt für einen schönen Kontrast zum Holz.
Ein ganz leichtes Pfefferprickeln auf den Lippen ergänzt die Aromatik.
Nach rund 15 Minuten verändert sich der Geschmack allerdings deutlich.
Die Holznote nimmt spürbar ab.
Auch der Pfeffer verschwindet vollständig.
Dafür gewinnen die süßlichen Röstaromen erheblich an Bedeutung.
Die Aromatik erinnert nun zunehmend an Gebäck.
Eine wirklich interessante Entwicklung.
Die Zigarre wird dadurch deutlich süßlicher, ohne unangenehm zu wirken.
Auch konstruktiv bleibt sie überzeugend.
Der Abbrand ist gelegentlich etwas ungleichmäßig, die Rauchabgabe funktioniert aber hervorragend.
Die Asche hält zuverlässig und lässt sich problemlos ablegen.
Auch die Banderole kann ohne Beschädigung des Deckblatts entfernt werden.
Ein gelungener Einstieg.
Zweites Drittel
Nach einer guten halben Stunde entwickelt sich die Aromatik erneut.
Die Gebäcknoten bleiben grundsätzlich erhalten.
Allerdings verändert sich die Art der Röstaromen.
Während sie zuvor eher an Toastbrot und süßliches Gebäck erinnert haben, bewegen sie sich nun zunehmend in Richtung leicht gerösteter Kaffee.
Damit bekommt die Zigarre eine etwas deftigere Komponente.
Gleichzeitig nimmt die Süße leicht ab.
Auch die Pfeffernote kehrt zurück.
Die Holznote bleibt weiterhin vorhanden, spielt allerdings nur noch eine untergeordnete Rolle.
Damit präsentiert sich das zweite Drittel mit:
- süßlichen Gebäcknoten
- leicht geröstetem Kaffee
- dezentem Holz
- leichtem Pfeffer
Die Casa 1910 bleibt also nicht einfach bei ihrer ursprünglichen Aromatik stehen.
Sie verändert die Gewichtung der einzelnen Komponenten und sorgt damit für Abwechslung.
Auch konstruktiv funktioniert sie hervorragend.
Der Zugwiderstand hat sich mittlerweile bei etwa 45 % eingependelt.
Die Rauchabgabe ist weiterhin sehr gut.
Besonders erfreulich: Im zweiten Drittel brennt die Zigarre vollkommen gerade ab.
Bislang eine ausgesprochen überzeugende Vorstellung.
Letztes Drittel
Nach rund 45 Minuten endet mein Smoke.
Die Casa 1910 lässt sich erfreulich weit herunterrauchen, ohne dass der Rauch unangenehm heiß wird.
Auch konstruktiv bleibt sie bis zum Ende stabil.
Aromatisch entwickelt sich die Zigarre noch einmal leicht weiter.
Die Röstaromen werden kräftiger und erinnern mittlerweile an mittelkräftig gerösteten Kaffee.
Die Süße bleibt erhalten.
Gleichzeitig nimmt die Holznote noch etwas weiter ab.
Der Pfeffer legt dagegen leicht zu.
Damit bekommen wir zum Abschluss:
- mittelkräftig gerösteten Kaffee
- angenehme Süße
- dezentes Holz
- leichten Pfeffer
Die Aromatik verändert sich damit nicht grundlegend, bleibt aber bis zum Schluss interessant.
Besonders gefällt mir, dass die einzelnen Komponenten gut miteinander harmonieren.
Die Süße bildet einen angenehmen Kontrast zu den Röstaromen.
Der Pfeffer sorgt für etwas zusätzliche Spannung.
Und das alles in einer Corona, die gerade einmal 8,50 € kostet.
Nach 45 Minuten steht für mich fest:
Die Casa 1910 Cuchillo Parado Corona hat mich wirklich überzeugt.
Punktebewertung (15-Punkte-System)
Konstruktion: 13/15 Punkte (1−)
Konstruktiv liefert die Casa 1910 eine sehr gute Vorstellung ab.
Positiv:
- hervorragende Rauchabgabe
- angenehmer Zugwiderstand
- stabiler Abbrand
- zuverlässige Asche
- problemlos entfernbarer Zigarrenring
- sehr gute Rauchbarkeit bis zum Ende
Der einzige nennenswerte Kritikpunkt ist der gelegentlich leicht ungleichmäßige Abbrand im ersten Drittel.
Ansonsten funktioniert die Zigarre praktisch problemlos.
Gerade für eine Corona in dieser Preisklasse ist das ausgesprochen erfreulich.
13/15 Punkte, Note 1−.
Aromatik: 12/15 Punkte (2+)
Auch aromatisch kann die Casa 1910 überzeugen.
Wir bekommen:
- Holz
- süßliche Röstaromen
- Gebäck
- Kaffee
- Pfeffer
Besonders gelungen ist die Entwicklung.
Die Zigarre startet mit einer holzbetonten Aromatik, entwickelt anschließend süßliche Gebäcknoten und bewegt sich im weiteren Verlauf zunehmend in Richtung Kaffee.
Der Pfeffer verschwindet zunächst, kehrt später zurück und gewinnt zum Ende leicht an Bedeutung.
Das sorgt für ein angenehmes Aromenspiel.
Für eine noch höhere Bewertung hätte ich mir vielleicht ein oder zwei zusätzliche Aromen gewünscht, die etwas mehr Tiefe und Kontrast in den Blend bringen.
Trotzdem ist die Komposition ausgesprochen gelungen.
12/15 Punkte, Note 2+.
Preis-Leistung: 13/15 Punkte (1−)
Mit 8,50 € bewegt sich die Casa 1910 Cuchillo Parado Corona in einem ausgesprochen attraktiven Preisbereich.
Dafür bekommt man:
- eine mexikanische Puro
- drei Jahre gereifte Tabake
- sehr gute Konstruktion
- abwechslungsreiche Aromatik
- rund 45 Minuten Rauchdauer
- ein insgesamt hochwertiges Raucherlebnis
Natürlich ist eine Corona ein vergleichsweise kleines Format.
Allerdings bietet die Casa 1910 eine Rauchdauer, die durchaus mit mancher Robusto vergleichbar ist.
Und gerade die Kombination aus Konstruktion und Aromatik macht den Preis für mich ausgesprochen angemessen.
13/15 Punkte, Note 1−.
Gesamtwertung: 13/15 Punkte, Note 1−
Klare Kaufempfehlung
Die Casa 1910 Cuchillo Parado Corona ist eine Zigarre, die mich wirklich positiv überrascht hat.
Sie bietet eine sehr gute Konstruktion, eine interessante Aromatik und ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Besonders die Kombination aus süßlichen Gebäcknoten, Röstaromen und Kaffee gefällt mir ausgesprochen gut.
Für 8,50 € bekommt man einen Smoke, den ich definitiv wieder rauchen werde.
Zusatzbewertungen (nicht in der Gesamtnote)
- Komplexität: 5/10
- Nikotin: 2/10
- Intensität: 5/10
Fazit
Die Casa 1910 Cuchillo Parado Corona zeigt eindrucksvoll, dass mexikanische Zigarren nicht zwangsläufig eine schwere, erdige Aromatik besitzen müssen.
Stattdessen präsentiert sich die Corona mit einer überraschend angenehmen Kombination aus Holz, süßlichen Gebäcknoten, Röstaromen und Kaffee.
Besonders interessant ist die aromatische Entwicklung.
Während zunächst Holz und leichte Röstaromen dominieren, gewinnen später süßliche Gebäcknoten an Bedeutung.
Im weiteren Verlauf verschieben sich die Röstaromen zunehmend in Richtung Kaffee.
Dazu kommt ein dezenter Pfeffer, der für zusätzliche Abwechslung sorgt.
Mit 5/10 Punkten bei der Komplexität bietet die Casa 1910 eine angenehme mittlere Komplexität.
Sie ist nicht übermäßig anspruchsvoll, aber definitiv abwechslungsreich genug, um über die gesamte Rauchdauer interessant zu bleiben.
Auch der Nikotingehalt fällt mit 2/10 Punkten ausgesprochen niedrig aus.
Nach einer kleinen Mahlzeit konnte ich praktisch keine Nikotinwirkung feststellen.
Damit gehört die Cuchillo Parado zu den besonders gut verträglichen Zigarren.
Bei der Intensität landen wir bei 5/10 Punkten.
Die Aromen sind während des Rauchens deutlich wahrnehmbar, das Finish fällt allerdings vergleichsweise kurz aus.
Konstruktiv überzeugt die Zigarre ebenfalls.
Mit 13/15 Punkten liefert sie eine sehr gute Leistung ab.
Lediglich der gelegentlich leicht ungleichmäßige Abbrand im ersten Drittel verhindert eine noch höhere Bewertung.
Für mich ist die Casa 1910 Cuchillo Parado Corona deshalb ein ausgesprochen interessantes Gesamtpaket.
Sie bietet rund 45 Minuten Rauchgenuss, eine abwechslungsreiche Aromatik und eine sehr gute Konstruktion.
Und das alles für gerade einmal 8,50 €.
Ich werde sie mir definitiv nachkaufen.
13/15 Punkte, Note 1− und eine klare Kaufempfehlung.
Vielen Dank an VCF Deutschland, die uns diese Zigarre für das Review zur Verfügung gestellt haben.
Bis zum nächsten Smoke, ehrlich, unkompliziert und mit EtwasGenuss.
