JAMM Maestro im Test: Brasilianischer Brocken mit Ristretto statt Samba-Rambazamba

JAMM Maestro im Test: Brasilianischer Brocken mit Ristretto statt Samba-Rambazamba

Die Zigarrenwelt lebt von ihren großen Namen: Kuba, Nicaragua, die Dominikanische Republik oder Honduras dominieren die Humidore dieser Welt. Brasilien dagegen führt häufig ein Schattendasein. Das ist eigentlich erstaunlich, denn das Land verfügt über eine jahrhundertealte Tabakkultur, hervorragende Anbaugebiete und Tabake mit einem ganz eigenen Charakter. Wer sich darauf einlässt, entdeckt eine Stilistik, die sich angenehm von den üblichen Verdächtigen abhebt. Genau hier setzt die Jamm Maestro an, denn sie präsentiert sich nicht als Rampensau, sondern als eine Zigarre, die ihre Herkunft nüchtern aber selbstbewusst präsentiert und zeigt, dass brasilianischer Tabak weit mehr kann als lediglich Deckblätter für internationale Mischungen zu liefern.

Made in Brasil

Bereits die Geschichte hinter JAMM CIGAR besitzt deutlich mehr Charme als das übliche Marketing-Blabla vieler Hersteller. Hinter der Marke JAMM verbirgt sich eine Geschichte, die man eher in einem Reisebericht als auf einer Zigarrenkiste erwarten würde. Während eines Kanada-Urlaubs verschlug es Jose Antonio Martins Monteiro an die weltberühmten Niagarafälle. Dort traf er zufällig auf Joaquim Alfredo Mesquita Moreira. Was mit einer gemeinsam gerauchten Zigarre begann, entwickelte sich zu einer langjährigen Freundschaft. Als Monteiro später seine eigene Zigarrenmarke gründete, war die Entscheidung schnell gefallen: Die identischen Initialen beider Freunde wurden zum Namen JAMM. Das mag zunächst wie eine nette Anekdote klingen, spiegelt aber einen Gedanken wider, den viele Aficionados nur zu gut kennen. Zigarren sind häufig mehr als Tabak in einem Deckblatt. Sie schaffen Begegnungen, begleiten gute Gespräche und bleiben oft mit besonderen Erinnerungen verbunden.

Gefertigt werden die Zigarren im brasilianischen Alagoinhas im Bundesstaat Bahia, einer Region, die seit Jahrzehnten als Hochburg des brasilianischen Zigarrenhandwerks gilt. In der Manufaktur entstehen die Puros in sorgfältiger Handarbeit durch rund 100 Mitarbeiter. Charakteristisch ist außerdem der Einsatz des sogenannten CBA-Tabaks. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich Saatgut aus einem Herkunftsgebiet, dessen Name hierzulande aus markenrechtlichen Gründen nicht verwendet werden darf. Am Ende zählt jedoch ohnehin nur das, was auf der Zunge ankommt. Und genau dort durfte die Maestro anschließend zeigen, welche Qualitäten in ihr stecken.

Brocken mit Charakter

Mit einer Länge von knapp 15 Zentimetern und einem stattlichen 56er Ringmaß gehört die Maestro definitiv nicht zu den filigranen Erscheinungen. Für 14,50 Euro erhält man einen ordentlichen Brocken, der sich bereits beim ersten Griff entsprechend präsent anfühlt. Wer schlanke Coronas bevorzugt, muss dann halt doppelt rauchen, um ein „Maestro-Vergnügen“ zu bekommen. Freunde kräftiger Formate hingegen dürften sich sofort zuhause fühlen. Die Zigarre liegt angenehm satt zwischen den Fingern und vermittelt schon optisch das Versprechen eines langen, entspannten Rauchabends – oder eines schönen Nachmittags im Eiscafe. Rund 90 Minuten Genuss sind ohne Hektik problemlos möglich.

Optisch hinterlässt die brasilianische Puro einen wertigen Eindruck. Das Deckblatt zeigt die typische brasilianische Anmutung mit einem leicht öligen Schimmer, feinen Blattadern und einer natürlichen Farbgebung. Alles wirkt sauber verarbeitet.

Die Brandannahme gelingt erfreulich unkompliziert. Ein paar Sekunden mit dem Feuerzeug genügen und die Maestro legt ohne Zicken los. Gerade bei großformatigen Zigarren ist das keineswegs selbstverständlich. Umso erfreulicher, dass JAMM hier einen ausgezeichneten Job macht.

Auch der weitere Rauchverlauf bestätigt den positiven ersten Eindruck. Der Abbrand verläuft über weite Strecken angenehm gerade. Lediglich kleinere Korrekturen waren im Verlauf notwendig, die allerdings kaum der Rede wert sind. Wer regelmäßig Zigarren raucht, weiß, dass ein minimaler Schiefbrand praktisch nie ganz auszuschließen ist. Hier bewegte sich alles im absolut unkritischen Bereich.

Das Rauchvolumen fällt solide aus. Es entstehen ordentliche Rauchwolken, ohne dass die Maestro zum Nebelwerfer mutiert. Das passt gut zum gesamten Charakter der Zigarre. Sie bietet keine Effekte, sondern ein unkompliziertes Raucherlebnis.

Linear aber gut linear

Auch geschmacklich verfolgt die Maestro genau diesen Ansatz. Wer auf der Suche nach einem permanenten Feuerwerk aus zwanzig ständig wechselnden Aromen ist, wird hier nicht fündig. Die JAMM Maestro veranstaltet keine sensorische Achterbahnfahrt, stattdessen setzt sie auf Kontinuität und eine angenehm ehrliche Aromatik.

Von Beginn an bilden Erde und getoastetes Holz das stabile Fundament des Rauchverlaufs. Beide Aromen begleiten die Zigarre praktisch bis zum Schluss und harmonieren ausgesprochen gut miteinander. Die Erde wirkt angenehm trocken und mineralisch, ohne dumpf oder muffig zu erscheinen. Das Holz erinnert an leicht angeröstete Eiche oder frisch getoastete Holzfässer und verleiht dem Rauchbild eine angenehme Wärme.

Im ersten Drittel gesellt sich eine ordentliche Prise schwarzer Pfeffer hinzu. Dabei bleibt die Würze stets kontrolliert und niemand muss befürchten, dass hier die Geschmacksknospen verbrannt werden. Vielmehr sorgt der Pfeffer für einen lebendigen Auftakt und verhindert, dass die eher erdigen Grundaromen zu behäbig wirken. Mit zunehmender Rauchdauer tritt der Pfeffer langsam in den Hintergrund. Stattdessen entwickelt die Maestro feine Ristretto-Noten. Dabei handelt es sich weniger um süßen Milchkaffee als vielmehr um kräftigen, konzentrierten Espresso mit leicht herber Röstnote. Diese Entwicklung verleiht der zweiten Hälfte etwas mehr Tiefe und passt hervorragend zum brasilianischen Tabakcharakter.

Auffällig bleibt während des gesamten Rauchverlaufs die vergleichsweise trockene Anmutung. Wer cremige, buttrige Rauchtexturen liebt, wie man sie beispielsweise häufig bei dominikanischen Zigarren findet, wird hier etwas vermissen. Die Maestro wirkt deutlich geradliniger und trockener. Das ist allerdings keineswegs als Kritik zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um eine Stilfrage. Gerade die trockene Charakteristik unterstreicht die Holz-, Erd- und Röstaromen sehr schön und sorgt dafür, dass die Zigarre „auf Linie“ bleibt.

Die Stärke bewegt sich insgesamt im angenehmen aber oberen Mittelfeld. Die Maestro fordert Aufmerksamkeit, überfordert ihren Raucher aber nicht.

Beeindruckend ist vor allem die Konstanz. Viele Zigarren verlieren im letzten Drittel an Balance oder entwickeln unangenehme Bitterstoffe. Die Maestro bleibt erfreulich stabil. Natürlich wird sie zum Ende etwas kräftiger und konzentrierter, ohne jedoch scharf, muffig oder unangenehm zu werden. Wer langsam raucht und ihr genügend Zeit gibt, wird bis zum Schluss mit einem harmonischen Rauchverlauf belohnt.

Preislich positioniert sich die Maestro mit 14,50 Euro in einem durchaus anspruchsvollen Segment. Dafür erhält der Käufer allerdings eine sauber verarbeitete Puro aus Brasilien, die technisch überzeugt und geschmacklich eine klare Linie verfolgt. Sie läuft keinem Trend hinterher oder versucht mit exotischen Aromen Aufmerksamkeit zu erzeugen. Stattdessen liefert sie ehrliches Zigarrenhandwerk mit authentischem brasilianischem Charakter.

Mein Fazit fällt entsprechend positiv aus. Die JAMM Maestro ist vielleicht keine Zigarre, über die man wochenlang philosophieren muss. Sie besitzt keine spektakulären Wendungen und kein Aromenfeuerwerk, das nach jedem Zug neue Überraschungen bereithält. Dafür überzeugt sie mit Zuverlässigkeit, hervorragender Verarbeitung und einem stimmigen Geschmacksprofil aus Erde, getoastetem Holz, schwarzem Pfeffer und späteren Ristretto-Noten.

Die Maestro eignet sich hervorragend für einen entspannten Feierabend, ein gutes Gespräch unter Freunden oder einen ruhigen Sommerabend auf der Terrasse. Sie erinnert dabei fast ein wenig an einen routinierten Jazzmusiker. Kein übertriebenes Solo, keine wilden Kapriolen, sondern sauberes Handwerk, angenehmer Rhythmus und genügend Charakter, damit man bis zum letzten Zug gerne zuhört. Oder in diesem Fall: weiterraucht.

EtwasGenuss wünscht euch
Toto


Related Posts

Gellis Family Absolutos: Stabiles Debüt mit Luft nach oben

Gellis Family Absolutos: Stabiles Debüt mit Luft nach oben

Eine Zigarre aus Nicaragua hat heutzutage schon beinahe automatisch einen gewissen Ruf. Wer sich in der Szene bewegt, kennt die großen Namen und die noch größeren Aromen: kräftiger Pfeffer, erdige Tiefen und diese unvergleichliche Würze, die aus den vulkanischen Böden des Landes zu stammen scheint. […]

Partagás Línea Maestra Maestro: viel Schein, und was ist mit Sein?

Partagás Línea Maestra Maestro: viel Schein, und was ist mit Sein?

Glaubt ihr an Liebe auf den ersten Blick? Ich schon und so war es auch bei der Partagás Línea Maestra Maestro, die optisch so ziemlich alles richtig macht: ein sattes 56er Ringmaß, 13,2 cm Länge, ein makelloses Deckblatt und dazu eine Anilla in Dunkelblau und […]



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert